Bereits vor Trump’s protektionistischer Politik… / Josep E. Stiglitz

Beratung der USA-Regierung

Joseph E. Stiglitz beklagt die Versuche der Vereinigten Staaten, ihre industriellen Arbeitsplätze durch protektionistische Maßnahmen zu schützen. Er rät den Vereinigten Staaten, dem Prinzip des komparativen Vorteils zu folgen, den Freihandel oder die Globalisierung zu verfolgen und nicht gegen die Deindustrialisierung durch Zölle zu kämpfen.

Er schreibt, dass „die Geschichte nicht rückgängig gemacht werden kann“,“das Problem nicht mit der Globalisierung selbst zusammenhängt, sondern mit der Art und Weise, wie wir sie bewältigt haben“ und „Protektionismus wird der Wirtschaft als Ganzes nicht helfen“. Arbeitsplätze werden schneller vernichtet als sie geschaffen werden: Es kann sogar weniger Arbeitsplätze in der Nettoverarbeitung geben.“

Er schreibt, dass die Mittelschicht der Vereinigten Staaten tatsächlich der Verlierer der Globalisierung ist und China der Gewinner. Er hält Chinas Inlandsnachfrage für ausreichend, um kräftig zu wachsen, und Außenhandel sei nicht mehr notwendig. Aber er verteidigt Chinas Handelsüberschüsse gegenüber den Vereinigten Staaten und glaubt, dass China „mit Stärke und Intelligenz“reagieren und die Vereinigten Staaten treffen wird,“ wo es wirtschaftlich und politisch weh tut“, wenn sie versuchen, ihre Industrie zu schützen.

Position von Stiglitz zur Finanzkrise

Im März 2009 kritisierte Stiglitz die Regierung von Barack Obama für ihren Plan zur Behebung der Banken- und Finanzkrise. Er sei viel schlimmer als eine Verstaatlichung des Bankensystems, nämlich „Ersatzkapitalismus – die Privatisierung der Gewinne und die Verstaatlichung der Verluste“.  Er sprach auch von einem Sozialismus für Reiche.

Anfang 2012 bilanzierte er die Situation in den USA so: „2011 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem viele der sonst so optimistischen Amerikaner begannen, die Hoffnung zu verlieren. (…) Die Ersparnisse derer, die 2008 oder 2009 ihre Arbeit verloren hatten, waren bis 2011 aufgezehrt. Auch mit dem Arbeitslosengeld war Schluss. Die Firmen stellen nicht schnell genug wieder ein, um Schritt zu halten mit der Zahl derjenigen, die normalerweise auf den Arbeitsmarkt drängen würden. Und die 50-Jährigen haben ohnehin kaum Hoffnung, je wieder einen Job zu bekommen. (…) Über sieben Millionen amerikanische Familien haben ihr Heim verloren.“ Er ergänzte dazu: „Natürlich ist es möglich, dass die USA ihre politischen Probleme lösen und endlich die Arbeitslosigkeit mithilfe von Konjunkturmaßnahmen auf sechs oder sieben Prozent drücken (…). Aber das ist ebenso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass Europa erkennt, dass Sparen allein die Probleme nicht lösen wird. Das Gegenteil trifft zu: Sparsamkeit wird die Wirtschaft nur noch schneller abkühlen. Bleibt das Wachstum aus, wird sich die Schuldenkrise – und die Euro-Krise – nur verschlimmern. Und die langwierige Krise, die mit dem Platzen der Immobilienblase 2007 einsetzte, und die nachfolgende Rezession werden fortdauern.“ Er forderte progressivere Besteuerung, um gleichzeitig Ungerechtigkeiten abzubauen, die Gesamtnachfrage und die Beschäftigung zu erhöhen; befürchtet aber, dass Politik und Ideologie nichts davon zulassen werden.

Stiglitz, Joseph E. / Massachusets, USA

Stiglitz, Joseph E. / Massachusets, USA

 

 

Joseph E. Stiglitz

* 9. Februar 1943 in Gary, Indiana / USA

  • 1964 graduierte er am Amherst College zum B. A., dann promovierte er am Massachusetts Institute of Technology (MIT)
  • US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Professor an der Columbia University.
  • von 1970 bis 1974 Professor für Wirtschaftswissenschaft, danach an der Stanford University (1974–1976, 1988–2001), der University of Oxford (1976–1979) und der Princeton University (1979–1988)
  • Er wurde Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste und u. a. der American Academy of Arts and Sciences (1983), der National Academy of Sciences (1988) und der British Academy (1993).
  • 1993 wurde er Mitglied im Rat der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton, dessen Ratsvorsitz er von 1995 bis 1997 innehatte.
  • 1997 wechselte er als Chefökonom zur Weltbank
  • Von 2011 bis 2014 Präsident der International Economic Association
  • 2008/2009 leitete Stiglitz die von Miguel d’Escoto Brockmann, dem Präsidenten der Generalversammlung der Vereinten Nationen, einberufene Commission of Experts on Reforms of the International Monetary and Financial System (kurz: Commission on Financial Reforms), die 2009 ihre Empfehlungen zu einer Reform des internationalen Finanzsystems vorlegte. 2008 übernahm Stiglitz den Vorsitz einer Arbeitsgruppe zur Verbesserung der Messung wirtschaftlicher Leistung und gesellschaftlichen Fortschritts: Diese Arbeitsgruppe war eine Initiative von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Der Abschlussbericht der Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission wurde im September 2009 vorgelegt und soll Impulse auf den Gebieten Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Umweltindikatoren sowie Messung von Lebensqualität und Nachhaltige Entwicklung geben.
  • Er ist Mitbegründer des Ende Oktober 2009 gegründeten Institute for New Economic Thinking (INET), um neue Denkansätze für die Volkswirtschaftslehre zu entwickeln.
  • Stiglitz ist ein Vertreter des Neukeynesianismus und erhielt 2001 für seine Arbeiten über das Verhältnis von Information und Märkten zusammen mit George A. Akerlof und Michael Spence den Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.

Veröffentlichung

Müller, Albrecht / Berlin – Deutschland

Müller, Albrecht / Berlin – Deutschland

 

 

 

 

Albrecht Müller

* 16. Mai 1938 in Heidelberg) ist ein deutscher Volkswirt, Publizist und ehemaliger Politiker (SPD).

Werdegang:

  • Ausbildung zum Industriekaufmann; Diplom-Volkswirt; wissenschaftlicher Mitarbeiter Universität München;
  • 1968 Ghostwriter bei Bundeswirtschaftsminister Prof. Dr. Karl Schiller; 1970 Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der SPD und verantwortlich für den Bundestagswahlkampf 1972;
  • Ab 1973 Leiter der Planungsabteilung im Bundeskanzleramt bei Willy Brandt und Helmut Schmidt; 1987 bis 1994 Abgeordneter des Deutschen Bundestages.
  • Autor von Essays und mehreren Büchern, zum Beispiel: „Willy wählen 72“, „Von der Parteiendemokratie zur Mediendemokratie“, „Die Reformlüge“, „Machtwahn“, „Meinungsmache“, „Brandt Aktuell“.
  • Seit 2003 als Autor und Mitherausgeber der NachDenkSeiten tätig.

 

Veröffentlichungen auf unserer Webseite