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Mein Leben in 4 Gesellschaftsordnungen: Teil 1: 1929 bis 1933

1 –  „Weimarer Republik“  1929 – 1933

Mein Papa und meine Mama stammten aus normalen Arbeiterfamilien slawischer Herkunft,  Mutters Eltern waren Abkömmlinge der Kaschuben, die seit Jahrhunderten im Norden Polens, südlich von Gdansk / Danzig lebten.  Sie wanderten aus ihrem von den Preußen lange Zeit ausgeplünderten ehemaligen Polen zu Beginn der Kaiser-Wilhelms-Zeiten, Ende des 19. Jahrhunderts, in das wirtschaftlich aufstrebende deutsche Kaiserreich ein und ließen sich in Berlin-Neukölln nierder. Mamas Vater, mein Opa, wurde noch vor Beginn des 1. Weltkrieges Beamter der Kaiserlichen Deutschen Post. Mama kam 1905 Berlin-Neukölln zur Welt und wurde während ihrer 6 Jahren Grundschule als Hausfrau erzogen.

Mein Vater wurde 1904 in einer sorbischen Familie in Senftenberg geboren. Gleich nach dem 1. Weltkrieg, 1918, zu Beginn der Weimarer Republik, lernte er nach dem ausdrücklichen Wunsch seines Vaters das Tischlerhandwerk. Opa war ja Tischlermeister und hatte bereits eine eigene Werkstatt, und die mitten im Berliner Wedding. Dort arbeitete mein Vater als qualifizierter Tischler und verdiente in den “Goldenen Jahre” der Weimarer Republik genügend, um auch seinen jugendlichen Hobbys nachzugehen: Er konnte sich ein  Motorrad und auch ein Paddelboot leisten. An den arbeitsfreien Sonntagen beteiligte er sich sportlich im Motorradsport-Club und im Berliner Wassersport-Verein. Im Winter des Jahres 1928 lernte er die ein Jahr jüngere Gertrud Czycholinski kennen und nahm sie danach immer mit auf seinen Fahrten per Motorrad oder per Paddelboot mit. Im Herbst 1928 heirateten sie, um eine Familie zu gründen.

Ich kam Im Sommer 1929 zur Welt, mitten in der Ende 1928 ausgebrochenen Welt-Wirtschaftskrise. Vater hatte bereits kurz vorher seinen Arbeitsplatz verloren. Mutter besorgte noch als Hausfrau die notwendigen Hausarbeiten. Bis zu meiner Geburt bewohnten sie noch eine 2-Zimmer-Wohnung in der Gartenstrasse des Arbeiterbezirks Berlin-Wedding, unweit der inzwischen geschlossenen Werkstatt. Mein Vater hatte als parteiloser Arbeitsloser an der von der KPD organisierten Demonstration am 1. Mai teil, die  in der Nebenstrasse unserer Wohnung stattfand. Er überstand unverletzt die Schießerei der Polizei, die vom Berliner Polizeipräsidenten Ziergiebel aus der SPD, den Befehl erhielt, die friedliche Demonstration mit Gewalt aufzulösen. Es gab 30 Tote und Hunderte von Verletzten aus der Menge der protestierenden Arbeiter und Arbeitslosen.

Kurz danach verloren meine Eltern ihre Wohnberechtigung in der 2-Zimmerwohnung im Bezirk Wedding. Nach meiner Geburt wurden sie in einer der Wohnbaracken untergebracht, die entlang des Tegeler Weges für die Obdachlosen errichtet wurden. Dieser Tegeler Weg führte zum damaligen bereits zu Kaiser‘s Zeiten entstandenen “Tegeler Schießplatz”, auf dem die Reichswehr der Weimarer Republik die von der Waffenindustrie entwickelten Waffen ausprobierte. Ab 1931 wurden bereits Raketen gestestet. Auf diesem “Tegeler Schießplatz” kam es oftmals zu Explosionen und Bränden im nahe gelegenen Tegeler Wald. Das Tatütata der heran eilenden und vor unserer Wohnbaracke vorbei fahrenden Wagen der Feuerwehr lag mir Jahre lang noch in den Ohren. Ich habe noch in Erinnerung, wie Mutter beim Heranfahren der Feuerwehr mich von der Straße zurück in die Baracke rief  und mich in ihre schützenden Arme nahm. Ich hatte noch lange ein Photo vorliegen, auf dem ich stolz auf einem Dreirad vor den Baracken.auf dem Tegler Weg  hin und her fuhr,

Meine ersten 4 Lebensjahre verbrachte ich als ein umsorgtes Kind einer arbeitslosen und obdachlosen Familie in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung der „Weimarer Republik“. Wie ich jetzt erfuhr, wurden bei der Reichstagwahl am 6.11.1932 von ca. 81 Prozent der wahlberechtigten Bürger 10 Parteien in den Reichstag gewählt. Die NSDAP, die Partei Adolf Hitlers, erhielt 33 Prozent der Stimmen und lag damit an der Spitze der Parteien im Reichstag. Hitler und seine Partei erhielt parlamentarische Unterstützung durch die übrigen bürgerlichen Parteien. Dadurch konnte Hitler auch die Macht ergreifen. Er ließ sich am 30. Januar 1933 durch den Reichspräsidenten von Hindenburg in der Garnisonskirche in Potsdam zum Reichskanzler ernennen. Am 1. Februar 1933 entstand das 3. Reich.

Ich-Autor: Horst Grützke

Organisation des Staates in einer alternativen Gesellschaftsordnung

Organisatorischer Aufbau des Staates

Der Staat als Dienstleister und Umsetzer des Willens des Volkes setzt sich aus drei selbstständigen Bereichen zusammen, die in ihrem Wirken ausschließlich dem Volk rechenschaftspflichtig sind: Legislative –  Exekutive.- Repräsentation

Staatsbereich Legislative

Aufgaben

  • – Erarbeitung von Gesetzentwürfen oder Verfassungsveränderungen
  • – Beratung mit Bürgerbewegungen / ggf. Einberufung von Parlamentstagungen
  • – Organisation von Bürgerentscheiden
  • Organisation von Volksversammlungen / Volksbegehren, Volksentscheidung – Nutzung der „digitalen Demokratie“ für Volksabstimmungen
  • Veröffentlichung von Entscheidungen / Kontrolle über Einhaltung

Parlamentarische Debatten und Entscheidungen

Das Parlament besteht aus vier Kammern:

Grundwerte-Kammer: für das faire Miteinander der Weltanschauungen, der ethischen Positionen, der Religionen und spirituellen Gruppen, zuständig für den gesellschaftlichen Grundkonsens in allen, heute immer offensichtlicher werdenden Grundwertefragen: Gleichberechtigung, Gleichheit vor dem Gesetz, ethische Grundregeln für die Selbstwertfindung eines jeden Menschen und das gesellschaftliche Zusammenleben des Volkes, sowie auch die Fragen über pränatale Medizin, Sterbehilfe, Gentechnologie, Erhaltung der Natur.

Kultur-Kammer: für die rechtlichen Rahmenbedingungen von Schule, Bildungswesen, Forschung, Medien und Kunst, die sich durch ein Maximum an freier Initiative entfalten sollen. In die Kompetenz dieses Parlaments fällt auch die Art der „Integration” von Migranten, was nicht primär eine Wirtschaftsfrage ist.

Politik-Kammer: für Boden- und Verkehrspolitik, innere und äußere Sicherheit, Außenpolitik, Rechtsentwicklung (Zivil- und Strafrecht, Verfassungsentwicklung) – unter den Vorgaben der beiden „höheren” Ebenen.

Wirtschafts-Kammer:

  • zur rechtlichen Gestaltung der wirtschaftlichen Basis für die Gewährleistung einer den ermittelten Bedarf der Bevölkerung deckenden Herstellung von Gebrauchsgütern
  • – Nutzung des „Marktes“ zu Ermittlung des Bedarfs und Befriedigung des eigenen und des öffentlichen Bedarfs – zur Vermeidung einer Überproduktion
  • – Vermeidung jeglicher Konkurrenz
  • – Nachhaltiges Wirtschaften mit den Rohstoffen; möglichst durch Renaturierung des Bodens und Wiedernutzung von bereits verarbeiteten Rohstoffen
  • – Förderung der Genossenschaften auf dem Lande, im ländlichen und städtischen Gewerbe, Handel
  • – Sicherung der nachhaltigen Nutzung von eigenem Grund und Boden sowie der notwendigermaßen zu importierenden Rohstoffe.
  • – Fairer Austausch von Produktions- und Gebrauchsgüter gegen beim Handelspartner vorhandenen Produktions- und Gebrauchsgütern
  • – Keinerlei Investitionen außerhalb der eigenen Grenzen.

Koordinierung der privaten, genossenschaftlichen und staatlichen Unternehmen in der Planung, Herstellung, Pflege und Nutzung gemeinsamer / öffentlicher Güter des Volkes-

Die Wert-Vorgaben der übergeordneten Parlamentskammern sind verbindlich umsetzen. So kommt es zu einer dem Gemeinwesen dienenden, statt es beherrschenden

Jährliche Wahl einer dieser Kammern. Also jedes Jahr bereichsbezogene Sachabstimmungen anhand der Wahl von Vertrauensleuten. Demokratie heißt nicht nur Mehrheitsprinzip, sondern gleichermaßen Beratung durch Fachleute und kontrollierbare Vertrauensdelegation. Die Mitglieder des Gesamtparlamentes werden in den sachbezogenen Bürgervereinen gewählt.

Dabei keine Aufblähung, sondern im Gegenteil Verschlankung der Gremien (jede Kammer höchstens 120 Abgeordnete).

Der Präsident des Parlaments und seine vier Stellvertreter werden aus den Bürgerbewegungen heraus vorgeschlagen und durch einen Volksentscheid bestätigt.

Staatsbereich Exekutive (Regierung)

Ministerpräsident/in Mitglied des Präsidialrates Direkt gewählt
Stellvertreter/in des MP Internationale Beziehungen / UN, EU u.a. / Mitglied des PR Direkt gewählt
Stellvertreter/in des MP Abstimmung in ethisch-moralischen Institutionen Justiz / Mitglied des PR Direkt gewählt
Minister des Innern Innere Sicherheit – Polizei Katastrophenschutz – Sport – Bürgerregistrierung Direkt gewählt
Minister für Wirtschaft Bedarfsplanung – Ressourcensicherung – Handel Direkt gewählt
Sicherung der Gemeinsamen / öffentlichen Güter des Volkes Infrastrukturen   – Energie – Wasser – Natur(schutz) – Kultur – Bildung – Gesundheitswesen

 

Direkt gewählt
Minister für Soziales und Familien Soziale Sicherungen / Familien Direkt gewählt
Minister für Gesundheitswesen Gesundheitswesen Direkt gewählt
Minister für Finanzen Haushalt / Steuerwesen Direkt gewählt

Der Ministerpräsident/die Ministerpräsidentin und seine /ihre zwei Stellvertreter/innen werden aus den Bürgerbewegungen/Vereinen vorgeschlagen und direkt gewählt.

Die Bereichsminister/innen werden ebenfalls aus den Bürgerbewegungen/Vereinen vorgeschlagen und direkt gewählt.

Staatsbereich Repräsentation / Präsidialrat

Staatspräsident/in Vertretung des Volkes nach außen (Direkt gewählt) Kontrolle der Einhaltung der ethischen Verhaltensregeln nach Innen und Außen   / Vereidigung der Exekutive
Vertreter des Staatspräsidenten Parlamentspräsident
Vertreter des Staatspräsidenten Oberster Richter
Dem Präsidialrat gehören zusätzlich der Ministerpräsident/in und die zwei Stellvertreter/in an

Alle im Staat wirkenden Bürger erhalten entsprechend ihrer Ausbildung und ihrer Verantwortung über ihr Arbeitsgebiet ein mit den Gewerkschaften abgestimmtes Gehalt. Sie sind bei Verletzung ihrer Kompetenzen jederzeit kündbar.

Die Beziehung zwischen Bürger und Staat entsteht durch beiderseitige vertragliche Bekundung in Form der „Staatsbürgerschaft. Der Staat anerkennt in jedem „Staatsbürger“ den Träger des Souveräns an; jeder Bürger anerkennt den Staat als den Dienstleister und Vertreter seiner individuellen Interessen.

Der Bürger / die Bürgerin akzeptiert durch Unterzeichnung des Staatsbürgerschaftsvertrages die Verpflichtung der Einhaltung der Verfassung und der gesetzlichen Regeln, sowie der Zahlung einer seinem Einkommen entsprechende Steuer, die zur finanziellen Absicherung der staatlichen Aufgaben beiträgt .

Staatsbereich Judikative

Aufbau des Gereichtswesens von der lokalen Ebene bis zur obersten Landesebene.
– Amtsgericht einer Stadt
– Kreisgericht
– Oberstes Landesgericht
– Landes-Verfassungsgericht