Buchdebatte

Religionsfrieden und Weltethos zur Erhaltung des Weltfriedens / Küng

Religionsfrieden und Weltethos

Diese zivilkonfessionelle Konzeption vertritt Küng auch in dem von ihm unterstützten interreligiösen Dialog. Dabei unterscheidet er drei große religiöse „Stromsysteme“:

  • die nahöstlich prophetischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam;
  • die indisch-mystischen Religionen: Hinduismus und Buddhismus;
  • die fernöstlich-weisheitlichen Religionen: Konfuzianismus und Daoismus.

Zur Erhaltung des Weltfriedens ist für Küng ein Religionsfrieden Voraussetzung. Deshalb betont er, dass die verschiedenen Weltreligionen in den zentralen Grundfragen – wie etwa bei den Zehn Geboten – tatsächlich eine ähnliche Ethik haben. Er entwickelte das Projekt Weltethos, weil nur in der Bewusstheit gemeinsamer Werte die verschiedenen Religionen dauerhaft in Frieden miteinander leben können. Weltethos ist dabei keine Ersatzreligion, sondern ein Grundkonsens über verbindliche Werte, Maßstäbe und Regeln des menschlichen Verhaltens. Diese zivilkonfessionelle Konzeption vertritt Küng auch in dem von ihm unterstützten interreligiösen Dialog. Dabei unterscheidet er drei große religiöse „Stromsysteme“:

  • die nahöstlich prophetischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam;
  • die indisch-mystischen Religionen: Hinduismus und Buddhismus;
  • die fernöstlich-weisheitlichen Religionen: Konfuzianismus und Daoismus.
  • die nahöstlich prophetischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam;
  • die indisch-mystischen Religionen: Hinduismus und Buddhismus;
  • die fernöstlich-weisheitlichen Religionen: Konfuzianismus und Daoismus.

Zur Erhaltung des Weltfriedens ist für Küng ein Religionsfrieden Voraussetzung. Deshalb betont er, dass die verschiedenen Weltreligionen in den zentralen Grundfragen – wie etwa bei den Zehn Geboten – tatsächlich eine ähnliche Ethik haben. Er entwickelte das Projekt Weltethos, weil nur in der Bewusstheit gemeinsamer Werte die verschiedenen Religionen dauerhaft in Frieden miteinander leben können. Weltethos ist dabei keine Ersatzreligion, sondern ein Grundkonsens über verbindliche Werte, Maßstäbe und Regeln des menschlichen Verhaltens.

Jeder einzelne Partner im interreligiösen Dialog ist seiner eigenen Tradition verpflichtet. Dieser individuelle Standpunkt müsse aber im Prozess des Dialogs zugleich für eine Umformung offen sein. Dabei unterscheidet Küng zwischen einer gläubigen Innenperspektive und einer religionswissenschaftlichen Außenperspektive: Von innen her gebe es für ihn als den betroffenen Menschen nur die eine wahre Religion, nämlich das Christentum. Von außen betrachtet gebe es verschiedene Heilswege mit verschiedenen Heilsgestalten zum einen Ziel; damit gebe es aber zugleich in der Außenperspektive verschiedene wahre Religionen. Mit einer Religion, die auf ihrem eigenen absoluten Wahrheitskriterium beharre, sei ein echter Dialog von vornherein aussichtslos. Die Führer aller Religionen müssten sich bekennen zu ihrer Mitverantwortung für den Weltfrieden, Nächstenliebe, Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Vergebung.

Ist die Frage, wie wir miteinander umgehen, eine politische Frage?

Ist die Frage, wie wir miteinander umgehen, eine politische Frage?

[Albrecht Müller] Veröffentlicht in: Nachdenkseiten.de

Vermutlich würden die meisten Politiker und auch viele jenseits des politischen Betriebs diese Frage verneinen. Wie wir uns verhalten, wie wir mit anderen umgehen, das ist unsere Privatangelegenheit und keine öffentliche Angelegenheit. Soll sich Politik auch noch darum kümmern, wie Menschen einander begegnen, ob sie friedlich miteinander umgehen oder gewalttätig, ob die Gewalt wächst, ob sie solidarisch sind, ob sie kommunikativ sind, also offen und gerne miteinander reden und sich auch unterhalten, wenn sie sich vorher nicht lange gekannt haben usw.?

Als sich die Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes vor vielen Jahren, beginnend mit dem November 1977 um die Frage gekümmert hat, wie viele Fernsehkanäle wir eigentlich haben wollen und dann ergänzend mit der damit zusammenhängenden Frage, ob das Fernsehen kommerzialisiert, also von privaten Interessenten produziert und angeboten werden soll, oder in öffentlicher, genauer in öffentlich-rechtlicher Regie wie bis dahin betrieben werden sollte, da kam immer wieder die Frage auf, ob verantwortliche Politiker oder andere Personen des öffentlichen Lebens auch die Aufgabe und die Chance haben, auf das Verhalten der Menschen Einfluss zu nehmen.

Damals haben wir die Frage gestellt und untersucht, in welchem Verhältnis die personale Kommunikation zur elektronischen Kommunikation steht und stehen könnte. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hat dann 1978 vorgeschlagen, die Familien sollten sich – selbstverständlich nicht vom Staat verordnet – einen fernsehfreien Tag gönnen. Ein bisschen später hat der von 1980-1982 amtierende Bundesverkehrsminister Volker Hauff eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung – zum Beispiel 100 km/h auf Autobahnen – vorgeschlagen. Dahinter steckte nicht allein die Sorge um die Unfälle, die dem Rasen geschuldet waren, um die Umwelt und um den Benzinverbrauch. Ziel der damaligen Überlegungen war auch, zu einem sanfteren Umgang auf unseren Straßen zu ermuntern. Könige der Straße sollten fürderhin nicht die Besitzer von vielen PS unter der Haube sein. Die Antithese und Antwort kam vom ADAC: “Freie Fahrt für freie Bürger”. Der dieser Parole geistig und tatsächlich folgende Teil unseres Volkes hat sich durchgesetzt. Sie bestimmen Geist und Verhalten im Umgang miteinander, im Auto und im täglichen Leben.

Die ARD hat am 23. Juli 2018 in einer Dokumentation unter dem Titel „Das verrohte Land – Wenn das Mitgefühl schwindet“ gezeigt – siehe hier, – wo wir inzwischen gelandet sind. In der Anmoderation heißt es:

„Bürgermeister werden mit Messern angegriffen, Feuerwehrleuten werden die Reifen zerstochen, weil ihr Einsatzwagen die Straße versperrt. Szenen von Aggressionen, die tagtäglich in Deutschland passieren. Woher kommt die zunehmende Verrohung?“

In der Dokumentation der ARD wurde geschildert, dass und wie sich die Lage verschlechtert habe. Pfleger und Krankenschwestern, Polizisten und ein Oberbürgermeister, Feuerwehrleute und ein Wissenschaftler gehen der Frage nach, warum Menschen unfreundlich und aggressiv miteinander umgehen und warum die Gewalt zunimmt.

Mit dem Hinweis auf dieses sehenswerte Video will ich mir nicht jede Einzelheit dieser Dokumentation zu eigen machen. Darum geht es hier und jetzt nicht. Das Video zeigt jedoch, dass das Verhalten von Menschen und der Umgang von Menschen mit anderen keine Privatangelegenheit ist. Unser Wohlbefinden hängt ganz wesentlich davon ab, wie wir miteinander umgehen. Und wenn Gewalt und Verrohung zunehmen, dann leiden wir.

Die Qualität unseres Lebens und auch unser Wohlstand hängen natürlich davon ab, was wir verdienen, ob wir überhaupt Arbeit haben und davon, ob wir sozial gesichert sind gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und die Risiken des Alters. Aber diese materielle und soziale Basis alleine macht das Wohlfühlen und damit auch den Wohlstand vieler Menschen noch nicht aus. Dieses Wohlbefinden wird ganz wesentlich auch von einem förderlichen und freundlichen Umgang bestimmt.

Wie Menschen miteinander umgehen, das kann Politikern egal sein, oder sie können sich darum kümmern und versuchen, das Verhalten der Menschen im Umgang zu beeinflussen, sie können zum guten und gewaltfreien Umgang ermuntern.

Warum ist die Stimme von Politikern und anderen Menschen mit Gewicht in der öffentlichen Debatte von Bedeutung?

Sie könnten mitbestimmen, wer das Sagen in der Gesellschaft hat, wer den Ton angibt. Zurzeit beherrschen die Rohen, der Protz von Größe und PS-Stärke das Geschehen und die Stimmung. Die neoliberale Parole “Jeder ist seines Glückes Schmied” ist hoffähig, Solidarität und Rücksichtnahme sind veraltete Tugenden. Dass das so gekommen ist, folgt aus der agitatorischen Stärke der dahintersteckenden Interessen und dem Schweigen bis hin zum Ermuntern durch die begleitende Politik. Zwangsläufig war das nicht. Und hoffnungslos ist die Lage auch nicht. Nahezu jedem Menschen ist neben der Suche nach dem eigenen Vorteil auch die Neigung zu solidarischem Verhalten eigen. Die egoistische und die altruistische Komponente existieren nebeneinander. Ob die altruistische Komponente zum Tragen kommt, hängt auch davon ab, ob dazu ermuntert wird und was von den Mitmenschen zu erwarten ist. Wenn sich die anderen solidarisch verhalten, dann fällt es leichter, ähnliche Regungen zu zeigen und danach zu leben.

Das Bedürfnis nach einem friedlichen Umgang, nach Kommunikation und das Bedürfnis nach Austausch und Zusammenleben mit anderen ist ein sehr dominantes menschliches Bedürfnis. Heute leiden viele Menschen unter der Aggression im Umgang miteinander und unter dem Verlust ihrer Kommunikationsmöglichkeiten.

Hier könnte die Politik ansetzen. Wer den Menschen hilft, mit anderen zu kommunizieren, wer ihnen hilft, ohne Gefahr und mit Gewinn solidarisch zu sein, wird Sympathien ernten. Das wäre die Basis für eine große Kampagne für den friedlichen Umgang und gegen Verrohung, für Solidarität und gegen Egoismus.

 

Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes

Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes

[Wikipedia]

Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes

Vorblatt der Erstausgabe Amsterdam, 1762

Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des politischen Rechtes (französisch Du Contract Social ou Principes du Droit Politique) ist das politisch-theoretische Hauptwerk des Genfer Philosophen Jean-Jacques Rousseau. Es erschien erstmals 1762 in Amsterdam und wurde daraufhin in Frankreich, den Niederlanden, in Genf und Bern sofort verboten.

Dieses Werk ist – neben Montesquieus Vom Geist der Gesetze – ein Schlüsselwerk der Aufklärungsphilosophie. Zusammen mit letztgenanntem kann der Gesellschaftsvertrag als ein Wegbereiter moderner Demokratie und Demokratietheorie gelten, obwohl er bis heute auch unzählige Anknüpfungspunkte für andere politische Ideen und Denkschulen bietet (vergleiche hierzu Identitätstheorie).

Für Rousseau konnte die alleinige Grundlage legitimer politischer Macht nur der allgemeine Wille (volonté générale) sein (der immer auf das Gemeinwohl abzielt) und keinesfalls im Gottesgnadentum bestehen. Der Einfluss dieses Werkes auf die Französische Revolution kann kaum geleugnet werden, ist er später doch beispielsweise im radikalen Denken Maximilien de Robespierres deutlich erkennbar. Späterhin nahmen Soziologie, Rechts- und Politische Philosophie viele seiner Fragestellungen auf, so dass man Rousseau z. B. auch zu den Protosoziologen zählen darf.

Rousseaus Werk geht von drei Grundannahmen aus:

  1. Voraussetzung der menschlichen Gemeinschaft (frz. l’état civil) ist – im Gegensatz zum Menschen im Naturzustand (frz. l’état de nature) – ein Vertrag (frz. pacte social).
  2. Grundlage dieses Vertrages ist der ‚Gemeinwille‘ (frz. volonté générale), der nicht der Summe der Einzelinteressen entspricht, sondern absolut ist.[JMT 1] Er geht von allen aus und zielt auf das Wohl aller. [JMT 2] Gemeinwille und Gerechtigkeit fallen bei Rousseau zusammen. Sie haben ihren gemeinsamen Ursprung in der Vernunft und beruhen auf Gegenseitigkeit.[JMT 3]
  3. Alle ordnen sich diesem Vertrag freiwillig unter.[JMT 4] Da der Gemeinwille unfehlbar ist, ist die freiwillige Zustimmung aller selbstverständlich.

Der Aufklärer Rousseau schreibt vor allem mit seinem Begriff der volonté générale die transzendentale Staatsphilosophie Platons fort (siehe Ideenlehre). Sein Entwurf eines Idealstaates unterscheidet sich so radikal von der politischen Wirklichkeit des Ancien Régime, dass das sofortige Verbot seiner Schrift keineswegs verwundert. Die Sprengkraft liegt vor allem darin, dass er keine Rechtfertigung der konstitutionellen Monarchie unternimmt, wie Locke und Montesquieu es noch versuchten. Rousseau baute sein utopisches Gemeinwesen auf das Prinzip der universellen Richtigkeit, die da heißt volonté générale. Sie besitzt ihre Gültigkeit jenseits von Rechten und Privilegien des Adels und Königshauses. Rousseaus Ansatz identitärer Demokratie ist dem Repräsentationsprinzip angelsächsischer Demokratietheorien diametral entgegengesetzt. Geht es bei Rousseau um den allgemeinen Willen, hinter dem sich die Vorstellung verbirgt, dass es ein Gemeinwohl gäbe, was allen Mitgliedern der Gesellschaft gleichermaßen dienlich sei, so ist die moderne Auffassung von Demokratie diesem Gedanken insofern entgegengesetzt, als es hier um ein Verständnis von Demokratie im Sinne konkurrierender Auffassungen und Interessen geht (siehe auch Konkurrenztheorie: James Madison, Joseph Schumpeter).

Inhalt Erstes Buch

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Darstellung der restlichen drei Bücher –Albatrossin 17:19, 12. Dez. 2007 (CET)

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Der Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789: die Französische Revolution als Resultat des Einflusses vom Gesellschaftsvertrag?

Im ersten Buch erläutert Rousseau zunächst das Ziel seiner Arbeit: Er will herausfinden, ob es „legitime und sichere Regierungsprinzipien“ gibt. Er leugnet im ersten Kapitel, dass eine angeblich natürliche Ungleichheit zwischen den Menschen die politische Macht der einen über die anderen rechtfertigt: „Einer hält sich für den Herrn der anderen und bleibt doch mehr Sklave als sie. Wie ist dieser Wandel zustande gekommen? Ich weiß es nicht. Was kann ihm Rechtmäßigkeit verleihen? Diese Frage glaube ich beantworten zu können.“

Rousseau formuliert die Aufgabe, die er sich mit seinem Werk stellt, folgendermaßen: „Finde eine Form des Zusammenschlusses, die mit ihrer ganzen gemeinsamen Kraft die Person und das Vermögen jedes einzelnen Mitglieds verteidigt und schützt und durch die doch jeder, indem er sich mit allen vereinigt, nur sich selbst gehorcht und genauso frei bleibt wie zuvor.

Der Gesellschaftsvertrag ist grundlegende Voraussetzung für seine Argumentation: Eine Menge von Menschen, bis dato im sogenannten Naturzustand verweilend (hier orientiert sich Rousseau an den Ausführungen John Lockes in den Two Treatises of Government), schließt sich, da die Vorteile hierfür überwiegen, zu einer Gemeinschaft zusammen, indem sie ihre natürliche Freiheit, die sie bis dahin hatten, aufgeben zugunsten einer gesellschaftlichen Ordnung. Der Gesellschaftsvertrag bedeutet letztlich „die völlige Entäußerung jedes Mitglieds mit allen seinen Rechten an das Gemeinwesen als Ganzes“. Es entsteht eine öffentliche Person, die Polis. Diese Gemeinschaft stellt ein untrennbares Ganzes dar. Jedes Mitglied dieser Gemeinschaft verpflichtet sich in zweierlei Hinsicht: Zum einen als Glied des Souveräns gegenüber dem Einzelnen und zum anderen als Glied des Staates gegenüber dem Souverän.

Zum besseren Verständnis führt Rousseau hier nun zunächst die verwendeten Begrifflichkeiten an: Mit Stadt bezeichnet man gleichsam lediglich Gebäude, Polis (oder Republik oder staatliche Körperschaft) hingegen bezeichnet die Bürger in einer Stadt. Die Glieder nennen die Polis, wenn sie passiv sind, Staat; wenn sie aktiv sind hingegen Souverän. Die Gesamtheit der Mitglieder nennt sich Volk, der Einzelne – wenn er aktiv sich beteiligen kann – Bürger. Ist er passiv den Gesetzen des Staates unterworfen, so ist er Subjekt.

Der Souverän stellt eine Körperschaft dar, in der keines seiner Glieder verletzt werden kann, ohne dass diese selbst damit angegriffen wird, ebenso kann die Körperschaft nicht angegriffen werden, ohne dass ihre Mitglieder dies spüren würden. Dieses Verhältnis zwingt jedes einzelne Mitglied als solches und als Glied des Ganzen zum Erhalt der Körperschaft.

Das bedeutet, dass so kein der Körperschaft widersprechendes Interesse bestehen kann, und so ist eine Verbürgung des Souveräns gegenüber den Subjekten unnötig. Entscheidet sich jedoch ein Mitglied dafür, zwar nicht die Pflichten wahrzunehmen, die ihm als Bürger zukommen, wohl aber die Vorrechte zu nutzen, so bedeutet dies den Untergang der politischen Körperschaft. Rousseau zieht aus diesem Beispiel den Schluss, dass die Körperschaft berechtigt ist, dieses Mitglied zum Gemeinwillen zu zwingen, „was nichts anderes heißt, als das man ihn zwingt, frei zu sein“.

Rousseau unterscheidet hierauf zwischen der natürlichen Freiheit, „die ihre Schranken nur in der Stärke des Individuums findet“, und der bürgerlichen Freiheit, „die durch den Gemeinwillen begrenzt ist, und den Besitz“ Mit dem Erhalt der bürgerlichen Freiheit erhält der Mensch ein Recht an allem, was er besitzt, der Verlust der natürlichen Freiheit bedeutet den Verlust des damit verbundenen Rechts an allem, was er begehrt und bekommen kann.

Das Eigentumsrecht an dinglichem Besitz entsteht mit Einführung des Gesellschaftsvertrages und anhand des Rechts eines ersten Besitznehmers: Wenn der Anteil eines Menschen feststeht, so hat er diesen und keinen weiteren Anspruch an die Gemeinschaft. Sein Anteil definiert sich aus dem Recht, dass er alles haben muss, „was er braucht“.

Die Begründung des Rechts eines ersten Besitznehmers definiert Rousseau mit den entsprechenden Ausführungen von Locke:

  1. Das in Besitz zu nehmende Gebiet ist nicht bereits bewohnt,
  2. man nimmt nur so viel, wie man zum Unterhalt braucht, und
  3. man ergreift durch Arbeit und Anbau Besitz von dem Gebiet (zumal dies der einzige Ausweis von Eigentum ist).

In der staatlichen Körperschaft nun wird der gesamte Besitz an den Souverän übertragen, und der Einzelne gilt als Sachverwalter des Gemeinguts. Der Einzelne hat gleichsam seinen Besitz an die Öffentlichkeit und damit auch an sich abgetreten und erwirbt ihn wieder unter anderen Vorzeichen, doch zu vorteilhaften Konditionen, da das Gebiet nun gemeinschaftlich verteidigt wird.

Abschließend zum ersten Buch bemerkt Rousseau, dass die „sittliche und rechtliche Gleichheit“ nicht die natürliche Gleichheit zerstört, sondern den Menschen, die sich in Stärke und Begabung unterscheiden, „durch Vertrag und Recht zur Gleichheit verhilft. Rousseau ist der Ansicht, dass erst im bürgerlichen Stand die Vernunft eine Durchsetzungschance hat.