Buchdebatte

Wir brauchen Religionsfrieden und Weltethos zur Erhaltung des Weltfriedens

Religionsfrieden und Weltethos

Prof. Hans Küng, Deutschland

Diese zivilkonfessionelle Konzeption vertritt Küng auch in dem von ihm unterstützten interreligiösen Dialog. Dabei unterscheidet er drei große religiöse „Stromsysteme“:

  • die nahöstlich prophetischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam;
  • die indisch-mystischen Religionen: Hinduismus und Buddhismus;
  • die fernöstlich-weisheitlichen Religionen: Konfuzianismus und Daoismus.

Zur Erhaltung des Weltfriedens ist für Küng ein Religionsfrieden Voraussetzung. Deshalb betont er, dass die verschiedenen Weltreligionen in den zentralen Grundfragen – wie etwa bei den Zehn Geboten – tatsächlich eine ähnliche Ethik haben. Er entwickelte das Projekt Weltethos, weil nur in der Bewusstheit gemeinsamer Werte die verschiedenen Religionen dauerhaft in Frieden miteinander leben können. Weltethos ist dabei keine Ersatzreligion, sondern ein Grundkonsens über verbindliche Werte, Maßstäbe und Regeln des menschlichen Verhaltens. Diese zivilkonfessionelle Konzeption vertritt Küng auch in dem von ihm unterstützten interreligiösen Dialog. Dabei unterscheidet er drei große religiöse „Stromsysteme“:

  • die nahöstlich prophetischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam;
  • die indisch-mystischen Religionen: Hinduismus und Buddhismus;
  • die fernöstlich-weisheitlichen Religionen: Konfuzianismus und Daoismus.
  • die nahöstlich prophetischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam;
  • die indisch-mystischen Religionen: Hinduismus und Buddhismus;
  • die fernöstlich-weisheitlichen Religionen: Konfuzianismus und Daoismus.

Zur Erhaltung des Weltfriedens ist für Küng ein Religionsfrieden Voraussetzung. Deshalb betont er, dass die verschiedenen Weltreligionen in den zentralen Grundfragen – wie etwa bei den Zehn Geboten – tatsächlich eine ähnliche Ethik haben. Er entwickelte das Projekt Weltethos, weil nur in der Bewusstheit gemeinsamer Werte die verschiedenen Religionen dauerhaft in Frieden miteinander leben können. Weltethos ist dabei keine Ersatzreligion, sondern ein Grundkonsens über verbindliche Werte, Maßstäbe und Regeln des menschlichen Verhaltens.

Jeder einzelne Partner im interreligiösen Dialog ist seiner eigenen Tradition verpflichtet. Dieser individuelle Standpunkt müsse aber im Prozess des Dialogs zugleich für eine Umformung offen sein. Dabei unterscheidet Küng zwischen einer gläubigen Innenperspektive und einer religionswissenschaftlichen Außenperspektive: Von innen her gebe es für ihn als den betroffenen Menschen nur die eine wahre Religion, nämlich das Christentum. Von außen betrachtet gebe es verschiedene Heilswege mit verschiedenen Heilsgestalten zum einen Ziel; damit gebe es aber zugleich in der Außenperspektive verschiedene wahre Religionen. Mit einer Religion, die auf ihrem eigenen absoluten Wahrheitskriterium beharre, sei ein echter Dialog von vornherein aussichtslos. Die Führer aller Religionen müssten sich bekennen zu ihrer Mitverantwortung für den Weltfrieden, Nächstenliebe, Gewaltlosigkeit, Versöhnung und Vergebung.

Bereits vor Trump’s protektionistischer Politik… / Josep E. Stiglitz

Beratung der USA-Regierung

Joseph E. Stiglitz beklagt die Versuche der Vereinigten Staaten, ihre industriellen Arbeitsplätze durch protektionistische Maßnahmen zu schützen. Er rät den Vereinigten Staaten, dem Prinzip des komparativen Vorteils zu folgen, den Freihandel oder die Globalisierung zu verfolgen und nicht gegen die Deindustrialisierung durch Zölle zu kämpfen.

Er schreibt, dass “die Geschichte nicht rückgängig gemacht werden kann”,”das Problem nicht mit der Globalisierung selbst zusammenhängt, sondern mit der Art und Weise, wie wir sie bewältigt haben” und “Protektionismus wird der Wirtschaft als Ganzes nicht helfen”. Arbeitsplätze werden schneller vernichtet als sie geschaffen werden: Es kann sogar weniger Arbeitsplätze in der Nettoverarbeitung geben.”

Er schreibt, dass die Mittelschicht der Vereinigten Staaten tatsächlich der Verlierer der Globalisierung ist und China der Gewinner. Er hält Chinas Inlandsnachfrage für ausreichend, um kräftig zu wachsen, und Außenhandel sei nicht mehr notwendig. Aber er verteidigt Chinas Handelsüberschüsse gegenüber den Vereinigten Staaten und glaubt, dass China “mit Stärke und Intelligenz”reagieren und die Vereinigten Staaten treffen wird,” wo es wirtschaftlich und politisch weh tut”, wenn sie versuchen, ihre Industrie zu schützen.

Position von Stiglitz zur Finanzkrise

Im März 2009 kritisierte Stiglitz die Regierung von Barack Obama für ihren Plan zur Behebung der Banken- und Finanzkrise. Er sei viel schlimmer als eine Verstaatlichung des Bankensystems, nämlich „Ersatzkapitalismus – die Privatisierung der Gewinne und die Verstaatlichung der Verluste“.  Er sprach auch von einem Sozialismus für Reiche.

Anfang 2012 bilanzierte er die Situation in den USA so: „2011 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem viele der sonst so optimistischen Amerikaner begannen, die Hoffnung zu verlieren. (…) Die Ersparnisse derer, die 2008 oder 2009 ihre Arbeit verloren hatten, waren bis 2011 aufgezehrt. Auch mit dem Arbeitslosengeld war Schluss. Die Firmen stellen nicht schnell genug wieder ein, um Schritt zu halten mit der Zahl derjenigen, die normalerweise auf den Arbeitsmarkt drängen würden. Und die 50-Jährigen haben ohnehin kaum Hoffnung, je wieder einen Job zu bekommen. (…) Über sieben Millionen amerikanische Familien haben ihr Heim verloren.“ Er ergänzte dazu: „Natürlich ist es möglich, dass die USA ihre politischen Probleme lösen und endlich die Arbeitslosigkeit mithilfe von Konjunkturmaßnahmen auf sechs oder sieben Prozent drücken (…). Aber das ist ebenso unwahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass Europa erkennt, dass Sparen allein die Probleme nicht lösen wird. Das Gegenteil trifft zu: Sparsamkeit wird die Wirtschaft nur noch schneller abkühlen. Bleibt das Wachstum aus, wird sich die Schuldenkrise – und die Euro-Krise – nur verschlimmern. Und die langwierige Krise, die mit dem Platzen der Immobilienblase 2007 einsetzte, und die nachfolgende Rezession werden fortdauern.“ Er forderte progressivere Besteuerung, um gleichzeitig Ungerechtigkeiten abzubauen, die Gesamtnachfrage und die Beschäftigung zu erhöhen; befürchtet aber, dass Politik und Ideologie nichts davon zulassen werden.

Ist die Frage, wie wir miteinander umgehen, eine politische Frage?

Ist die Frage, wie wir miteinander umgehen, eine politische Frage?

[Albrecht Müller] Veröffentlicht in: Nachdenkseiten.de

Vermutlich würden die meisten Politiker und auch viele jenseits des politischen Betriebs diese Frage verneinen. Wie wir uns verhalten, wie wir mit anderen umgehen, das ist unsere Privatangelegenheit und keine öffentliche Angelegenheit. Soll sich Politik auch noch darum kümmern, wie Menschen einander begegnen, ob sie friedlich miteinander umgehen oder gewalttätig, ob die Gewalt wächst, ob sie solidarisch sind, ob sie kommunikativ sind, also offen und gerne miteinander reden und sich auch unterhalten, wenn sie sich vorher nicht lange gekannt haben usw.?

Als sich die Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes vor vielen Jahren, beginnend mit dem November 1977 um die Frage gekümmert hat, wie viele Fernsehkanäle wir eigentlich haben wollen und dann ergänzend mit der damit zusammenhängenden Frage, ob das Fernsehen kommerzialisiert, also von privaten Interessenten produziert und angeboten werden soll, oder in öffentlicher, genauer in öffentlich-rechtlicher Regie wie bis dahin betrieben werden sollte, da kam immer wieder die Frage auf, ob verantwortliche Politiker oder andere Personen des öffentlichen Lebens auch die Aufgabe und die Chance haben, auf das Verhalten der Menschen Einfluss zu nehmen.

Damals haben wir die Frage gestellt und untersucht, in welchem Verhältnis die personale Kommunikation zur elektronischen Kommunikation steht und stehen könnte. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt hat dann 1978 vorgeschlagen, die Familien sollten sich – selbstverständlich nicht vom Staat verordnet – einen fernsehfreien Tag gönnen. Ein bisschen später hat der von 1980-1982 amtierende Bundesverkehrsminister Volker Hauff eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung – zum Beispiel 100 km/h auf Autobahnen – vorgeschlagen. Dahinter steckte nicht allein die Sorge um die Unfälle, die dem Rasen geschuldet waren, um die Umwelt und um den Benzinverbrauch. Ziel der damaligen Überlegungen war auch, zu einem sanfteren Umgang auf unseren Straßen zu ermuntern. Könige der Straße sollten fürderhin nicht die Besitzer von vielen PS unter der Haube sein. Die Antithese und Antwort kam vom ADAC: “Freie Fahrt für freie Bürger”. Der dieser Parole geistig und tatsächlich folgende Teil unseres Volkes hat sich durchgesetzt. Sie bestimmen Geist und Verhalten im Umgang miteinander, im Auto und im täglichen Leben.

Die ARD hat am 23. Juli 2018 in einer Dokumentation unter dem Titel „Das verrohte Land – Wenn das Mitgefühl schwindet“ gezeigt – siehe hier, – wo wir inzwischen gelandet sind. In der Anmoderation heißt es:

„Bürgermeister werden mit Messern angegriffen, Feuerwehrleuten werden die Reifen zerstochen, weil ihr Einsatzwagen die Straße versperrt. Szenen von Aggressionen, die tagtäglich in Deutschland passieren. Woher kommt die zunehmende Verrohung?“

In der Dokumentation der ARD wurde geschildert, dass und wie sich die Lage verschlechtert habe. Pfleger und Krankenschwestern, Polizisten und ein Oberbürgermeister, Feuerwehrleute und ein Wissenschaftler gehen der Frage nach, warum Menschen unfreundlich und aggressiv miteinander umgehen und warum die Gewalt zunimmt.

Mit dem Hinweis auf dieses sehenswerte Video will ich mir nicht jede Einzelheit dieser Dokumentation zu eigen machen. Darum geht es hier und jetzt nicht. Das Video zeigt jedoch, dass das Verhalten von Menschen und der Umgang von Menschen mit anderen keine Privatangelegenheit ist. Unser Wohlbefinden hängt ganz wesentlich davon ab, wie wir miteinander umgehen. Und wenn Gewalt und Verrohung zunehmen, dann leiden wir.

Die Qualität unseres Lebens und auch unser Wohlstand hängen natürlich davon ab, was wir verdienen, ob wir überhaupt Arbeit haben und davon, ob wir sozial gesichert sind gegen Krankheit, Arbeitslosigkeit und die Risiken des Alters. Aber diese materielle und soziale Basis alleine macht das Wohlfühlen und damit auch den Wohlstand vieler Menschen noch nicht aus. Dieses Wohlbefinden wird ganz wesentlich auch von einem förderlichen und freundlichen Umgang bestimmt.

Wie Menschen miteinander umgehen, das kann Politikern egal sein, oder sie können sich darum kümmern und versuchen, das Verhalten der Menschen im Umgang zu beeinflussen, sie können zum guten und gewaltfreien Umgang ermuntern.

Warum ist die Stimme von Politikern und anderen Menschen mit Gewicht in der öffentlichen Debatte von Bedeutung?

Sie könnten mitbestimmen, wer das Sagen in der Gesellschaft hat, wer den Ton angibt. Zurzeit beherrschen die Rohen, der Protz von Größe und PS-Stärke das Geschehen und die Stimmung. Die neoliberale Parole “Jeder ist seines Glückes Schmied” ist hoffähig, Solidarität und Rücksichtnahme sind veraltete Tugenden. Dass das so gekommen ist, folgt aus der agitatorischen Stärke der dahintersteckenden Interessen und dem Schweigen bis hin zum Ermuntern durch die begleitende Politik. Zwangsläufig war das nicht. Und hoffnungslos ist die Lage auch nicht. Nahezu jedem Menschen ist neben der Suche nach dem eigenen Vorteil auch die Neigung zu solidarischem Verhalten eigen. Die egoistische und die altruistische Komponente existieren nebeneinander. Ob die altruistische Komponente zum Tragen kommt, hängt auch davon ab, ob dazu ermuntert wird und was von den Mitmenschen zu erwarten ist. Wenn sich die anderen solidarisch verhalten, dann fällt es leichter, ähnliche Regungen zu zeigen und danach zu leben.

Das Bedürfnis nach einem friedlichen Umgang, nach Kommunikation und das Bedürfnis nach Austausch und Zusammenleben mit anderen ist ein sehr dominantes menschliches Bedürfnis. Heute leiden viele Menschen unter der Aggression im Umgang miteinander und unter dem Verlust ihrer Kommunikationsmöglichkeiten.

Hier könnte die Politik ansetzen. Wer den Menschen hilft, mit anderen zu kommunizieren, wer ihnen hilft, ohne Gefahr und mit Gewinn solidarisch zu sein, wird Sympathien ernten. Das wäre die Basis für eine große Kampagne für den friedlichen Umgang und gegen Verrohung, für Solidarität und gegen Egoismus.