– wege zur alternative

Unsere Grundhaltung

Wir möchten einen klaren wirtschaftlichen Systemwandel einführen, hin zu entschieden mehr Menschlichkeit und einem humanen Gesellschaftssystem mit der Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE), um die Voraussetzung von mehr Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu schaffen.

Wir arbeiten an der friedlichen Umgestaltung des unlimitierten Kapitalismus in eine humanistisch geprägte, dem Gemeinwohl verpflichtende Wirtschaftsform (Gemeinwohlökonomie *). Wir stützen uns dabei auf das Konvivialistische Manifest *. Alle positiven Errungenschaften der Menschheit, die sich bis heute entwickelt haben, wollen wir erhalten und an weiteren nachhaltigen Entwicklungen arbeiten und sie fördern.

Uns ist es wichtig, eine Grundlage für eine ökologische, solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung zu erschaffen, und wir arbeiten an einer Verbesserung der Lebensbedingungen aller Menschen.
Wir halten die Förderung von Selbstbestimmung und Humanismus sowie den Schutz der Umwelt für notwendig, um allen zukünftigen Generationen ein besseres Dasein auf unserer Erde zu ermöglichen. Diese neue Art von Politik wollen wir in Deutschland einführen und in die Welt hinaustragen.

Mit unserer Bewegung und der dazugehörigen neuen Art von Politik wollen wir nach Vorbildern der weltweiten Friedensbewegung agieren und die Menschenrechte ausbauen und humanistisch neu definieren.
Wir sind der Ansicht, dass menschliche Grundbedürfnisse wie der Zugang zu sauberem Wasser, saubere Energie, Bildung, Obdach, Kommunikation, Meinungsfreiheit, Gesundheit und Transport wichtige Grundlagen für den Frieden sind, die jeder Staat seiner Bevölkerung als grundlegende Rechte garantieren sollte.
Jetzt ist die Zeit für eine friedliche, politische Auseinandersetzung aller Staaten, um die Ursachen des weltweiten Elends und die wachsenden Ungerechtigkeiten anzusprechen und zu deren Beendigung beizutragen.

Wir sind für eine notwendige Werteveränderung in der Gesellschaft, die für alle zukünftigen Generationen zu mehr Menschlichkeit, zu mehr Umweltbewustsein und zu mehr gemeinschaftlichem Frieden führt.
Dies wollen wir durch Basisdemokratie erreichen, damit regional, national und international die Möglichkeit für den Bürger geschaffen wird, an allen politischen Entscheidungen mitzuwirken.

Im Zentrum unserer Entscheidungen stehen diese 3 Leitfragen:
 Nutzt es dem Menschen?
 Nutzt es der Umwelt?
 Nutzt es dem Frieden?

Eine Alternative des Kapitalismus

[Horst Grützke]

Es gibt wohl kaum einen Zweifel daran, dass die Alternatie des Kapitalismus in seiner heutigen Form  nicht der von Karl Marx vor gut 160 Jahren in dem gemeinsam mit Friedrich Engels durchdachten  „Kommunistischen Manifest“ beschriebene Sozialismus sein kann.

Es gibt zu viele soziale Veränderungen seit dem Moment, als Kapitalismus noch eine Wirtschaftsform in Kindesbeinen war. Damals gab es erste Ansätze einer mengenmäßigen Befriedigung der materiellen Bedürfnisse sowohl der Herrschenden als auch ihrer Untertanen.

Noch herrschte nicht das Volk, sondern der Feudaladel oder nach dessem Sturz dann die Bourgeoisie, die sich nach erfolgreicher Revolution sich zuerst einmal das Eigentum der entthronten Herrscher aneignete. Die siegreiche Bourgeoisie hatte keinen Skrupel, neben dem Gold und Edelsteinen auch noch die andere Schätze unter den Nagel zu reichen, die im bisherigen  Königreich durch Ausbeutung der Untertanen entstanden sind. Der durch Kolonialisierung vollzogene Landraub – Enteignung des Grund und Bodens, der Rohstoffe und die Verknechtung  der Ureinwohner – wurde durch die neuen Herrscher übernommen. Auch im Widerspruch zur zu den berechtigten revolutionären Forderungen, die die Bourgeoisie gemeinsam mit den hauptsächlich Unterdrückten – den ungebildeten Arbeitern ihrer eigenen Betriebe und dem ebenfalls ungebildeten Landvolk -auf ihre Fahne der Revolution geschrieben hatte: Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit.

Die bisher unterdrückten Mitbürger der neu errichteten Republik blieben auch weiterhin in Unterdrückung. Die geforderte Freiheit kam nur den Reichen und Gebildeten, also der Bourgeoisie, zu. Da viele Angehörige der Bourgeoisie sowohl auch Eigentümer  der neuentstandenen Industrie- und Handelsunternehmen, also Kapitalisten waren, übernahmen sie die politische Macht überall dort, wo der Feudaladel entweder durch blutige Revolution gestürzt und entmachtet wurde, oder auch die finanzielle und materielle Übermacht des Kapitalismus akzeptierten und sich mit der Bourgeoisie vereinigte, um zu überleben. Nicht jeder König in Europa wollte so enden, wie der französische König Louis XVI, der nach der siegreichen Revolution 1871 sein Kopf unter die Guillotine legen musste.

Danach herrschte dann jedoch nicht das siegreiche Volk, sondern nur die reiche Schicht, ein kleiner Teil der sogenannten freien Bürger. Die neu erstanden Republik, in der eigentlich immer das Volk leben und das Leben  der individuellen Bürger frei gestalten sollte, setzte mit der Forderung nach Demokratie, in der das Volk herrscht, statt der bisherigen Könige und Fürsten,  die revolutionäre Forderung nach Freiheit, Gleichheit, Solidarität in keiner der seither in Europa entstandenen Republiken durch. Frei waren meistens nur die reichen Bürger, die dann noch bisherige Untertanen weiter auf kapitalistische Weise ausbeuteten. Gleichheit gab es nur unter jenen, die eben reich oder arm waren. Brüderlichkeit, also Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft und Solidarität, gab es nur bei jenen, die aufgrund ihrer religiösen Gebote ernsthaft Gotteswort folgten oder bei jenen, die selbst auch unter Ausbeutung und militärischem Zwang litten.

Inzwischen lebt die Menschheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt in einer Welt, in der der Kapitalismus seine Einflussphäre und Wirkungsweise globalisiert hat, wobei jedoch die Produktionsverhältnisse und Wirkungsweise der bisherigen kapitalistischen Gesellschaftsordnung nun ausschließlich vom Finanzkapital bestimmt wird. (Siehe auch Bernd Hamm: Das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen.)

Unsere Absicht, eine Alternative zur gegenwärtigen kapitalistischen Gesellschaft zumindest zu fomulieren, sollte zuerst den Inhalt und den Weg zur Erreichung der Alternative der vom Finanzkapital beherrschten globalen kapitalistischen Gesellschaftsordnung ins Auge fassen.

Im Titel dieses Buches stellen wir keine Frage, ob eine Alternative der kapitalistischen Gesellschaft mit Revolution, Krieg oder Gewalt  aufgebaut werden kann. Im SInne der ethisch-moralischen Werte der Menscheit verneinen wir diese Methoden, um die alternative Visionen auf humanistische Weise zu realisieren: auf demokratischem und rechtstaatlichen Weg.

Viele an einer Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, die nur Interesse auf Vermehrung des Kapitals – ggf. durch militärische Gewalt, terroristische Attacken und Lügenmärchen – aus ist, interessiert und bereit sind,  mit allen Methoden diese Gesellschaft zu überwinden und den Weg zu einer Alternative zu gehen, werden wahrscheinlich  die Herrschaftsmethoden des Finanzkapitalismus mit gleicher Gewalt entgegen zu treten.

Der in der Geschichte der kapitalistischen Gesellschaft  erste Versuch, den Sozialismus als die Alternative des Kapitalismus, wie es 1864 von Karl Marx und Friedrich Engels im „Kommunistischen Manifest“ als Ergebnis des damals möglichen und erforderlichen Klassenkampfes gefordert wurde, und 1917 von Lenin mit der blutigen  „Oktoberrevolution“  und ihren Folgen verwirklicht wurde, erwies sich schließlich im Laufe von 70 Jahren als unrealisierbar. 1990 hörte die sozialistische Gesellschaftsordnung in der  Sowjetunion  und mit ihr im sogenannten Ostblock verbundenen Staaten auf zu existieren.

Schlussfolgerungen aus diesem ersten mitsslungenen Schritt zu einer Alternative des Kapitalismus ziehend, suchen die Autoren dieses Buches andere Wege  und Formen der Erreichung einer Alternative. Mit der im Folgenden detailliert beschriebenen, von uns durchaus den Prinzipien einer dem Humanismus entsprechenden Alternative bringen wir auch die nach unserer Überzeugung einzig mögliche Form und Methode dieses Weges zum Ausdruck: auf demokratischem und rechtstaatlichen Weg.

Bei unseren Überlegungen zu dieser wichtigen Frage der Überwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und der Realisierung einer Alternative lassen wir uns von der These des Noberpreisträger für Physik, Albert Einstein, leiten:

„Die Probleme kann man nicht mit der gleichen Denkweise lösen, mit der sie geschaffen wurden“

 

 

 

 

Die Pluralität der Einstiege in eine umfassende Transformation

Es gibt mehrere mögliche Schritte zur Veränderung der jetzigen Gesellschaft

Von Michael Brie, Berlin

Die Macht- und Herrschaftsstrukturen, der Vergesellschaftungsformen, Produktions- und Lebensweisen und schließlich der Zivilisation sind Momente, in denen eingegriffen werden kann – auch aus einer Situation relativer Schwäche. In Krisen ist ein Weiter-So nicht möglich und Veränderung unvermeidlich. Solche Krisen können sehr partikular, lokal, betrieblich sein, sie können aber auch ganze Staaten, Regionpen oder auch die Weltgesellschaft erfassen. Die Jahre 2008 und 2009 waren Jahre einer Krise, in der die Fragilität aller Dimensionen der globalen Ordnung deutlich wurden.

Ein kurzfristig effizientes Krisenmanagement sowie die Schwäche alternativer Kräfte haben dazu geführt, dass diese Krise zwar zu einer Reihe von Anpassungen geführt hat, aber die Macht- und Eigentumsverhältnisse fast nicht geändert und Formen der globalen Koordination nur modifiziert wurden (vor allem der Übergang von G8 zu G20). Die Produktions- und Lebensweisen und das Zivilisationsmodell blieben völlig unangetastet. Weder wurden die wichtigsten mittelfristigen Ursachen der unmittelbaren Krise beseitigt, noch kann irgendwie davon die Rede sein, dass die fundamentalen Widersprüche, die in dieser Krise eine erste globale Kulmination fanden, gelöst wurden. Der Kurs einer neoliberalen Gestaltung wurde weitgehend fortgesetzt und teilweise mit Verweis auf die »Zwänge« einer Haushaltskonsolidierung wieder verschärft. Die gärenden Probleme der Sicherung von gesellschaftlicher Reproduktion, sozialer Integration, Herrschaftssicherung und Wahrung von Sicherheit und Stabilität werden sich verschärfen, eine weitaus härtere Krise ist sehr wahrscheinlich. Aber auch schon jetzt bieten die gegebenen Problemlagen und die Risse und Brüche im Gefüge des erschwerten Weiter-So und des immer nur mühsam gesicherten »Muddling Through« Möglichkeiten, experimentell und ansatzweise neue Wege zu gehen.

Wie der Evolutionsbiologie John Holland formuliert: »Bei der Evolution kommt es nicht darauf an, einfach nur ein gutes Tier hervorzubringen, sondern gute Bausteine zu finden, die sich zu guten Tieren zusammensetzen lassen.«

Das Vorhandensein guter bzw. schlechter Bausteine (Ideen, Projekte, Akteure, Vorbilder, experimentelle Versuche usw.) kann in Momenten der Weggabelung, wie sie sich in Krisen unvermutet auftun, entscheidend sein. Vieles ist dann möglich, wohin sich die Schale dann neigt, ist nicht vorherzubestimmen. Aber dazu beizutragen, dass die »Bausteine zum Guten« überwiegen, gesellschaftlich attraktiv sind, mehrheitsfähig, verallgemeinerbar – dies alles ist Aufgabe einer Politik, die auch in Zeiten eigener Schwäche die Möglichkeit jähen Wandels antizipiert.

Solche initialisierenden und wegbereitenden Bausteine können auf drei Ebenen alternative Wege eröffnen
(1) durch Entstehung neuer Rahmenbedingungen für das wirtschaftliche und soziale Handeln,
(2) durch die Veränderung der Entscheidungsprozesse und
(3) durch den Wandel der für Entscheidungsprozesse maßgeblichen Kriterien. Die Zahl der Vorschläge

 Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus

In einem im Quellenverweis wiederzufindenden Artikel von Michael Brie analysierte der Autor vortrefflich die Vor- und Nachteile des möglichen Weges – er nennt es „Transformation – hin zur anderen Gesellschaft. Wir identifizieren uns mit Micheal Brie und übernehmen kommentarlos seine Gedanken.

Das zu bewältigende Problem ist es, zugleich die Innovations- und damit Entwicklungsfähigkeit moderner Gesellschaften, wie sie zuerst in ihrer kapitalistischen Form entstand, zu erhalten und sogar noch zu steigern, aus der Borniertheit ihrer Bindung an Profitmaximierung und an das Immer-Mehr-Haben zu befreien, und einen radikalen Wechsel der gesamten zivilisatorischen Struktur einzuleiten. Es geht darum, den Finanzmarkt-Kapitalismus zu überwinden, in dem unter der Zuchtrute des Shareholder-Values eine Erwerbs- und Konsumgesellschaft durch Oligarchien regiert wird und die Erde in eine bloße Schürfgrube von immer knapperen Rohstoffen und Energien und in eine Müllhalde verwandelt wird. Vision ist eine Gesellschaft, in der die irdische Welt zur Heimat wird, in die eingebettet ein solidarisches soziales und kulturelles Leben geführt wird, an dem jeder und jede teilhaben kann.

Gesellschaft (Sozialismus)

Auf der Basis einer partizipatorischen Demokratie wird in einer solchen Gesellschaft darüber entschieden, wie die Bedingungen für solidarische Teilhabe erzeugt, produziert, reproduziert, verteilt und verbraucht werden und welche gesellschaftlichen Resourcen (Kredite, Steuern) dafür notwendig sind.

Im Zuge dieses Übergangs würden aus den privaten, staatlichen oder genossenschaftlichen Unternehmen des Kapitalismus mit ihren vielen Zwangsverhältnissen schrittweise tatsächlich freie Assoziationen des Sozialismus werden, in der Menschen sich zusammenfinden zu gemeinsamen wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Zwecken und zugleich zur individuellen Entfaltung. Kredite und Steuermittel sowie freiwillige Spenden wären Formen, solchen Assoziationen die Anschubfinanzierung zu ermöglichen bzw. dort die dauerhafte Existenz zu sichern, wo eine zahlungsfähige Nachfrage nicht vorhanden ist bzw. nicht entstehen soll, aber grundlegende Bedürfnisse befriedigt bzw. allgemeine Lebens- und Entfaltungsbedingungen zur Verfügung gestellt werden müssen (Bildung, Information, Mobilität, Gesundheit, Pflege usw.).

Erfolgreiche Transformationen der Vergangenheit oder Gegenwart vermitteln zumindest Erfahrungen, geben zumindest Hilfe, wie die Erfolgsbedingungen für bewusste Gesellschaftsveränderung erhöht werden können. Wenn man die Errichtung der Macht der Bolschewiki und die Durchsetzung kommunistischer Gesellschaftspolitik nach dem November 1917 sicherlich als eines der umfassendsten Gesellschaftsexperimente in der Geschichte der Menschheit ansehen kann, dann ist Rosa Luxemburgs Mahnung gegenüber Lenin und Trotzki aktuell: Der Sozialismus lasse sich »seiner Natur nach nicht oktroyieren«. »Er hat zur Voraussetzung eine Reihe Gewaltmaßnahmen – gegen Eigentum etc. Das Negative, den Abbau kann man dekretieren, den Aufbau, das Positive, nicht. Tausend Probleme. Nur Erfahrung [ist] imstande, zu korrigieren und neue Wege zu eröffnen. Nur ungehemmtes, schäumendes Leben verfällt auf tausend neue Formen, Improvisationen, erhält schöpferische Kraft, korrigiert selbst alle Fehlgriffe. Das öffentliche Leben der Staaten mit beschränkter Freiheit ist deshalb so dürftig, so armselig, so schematisch, so unfruchtbar, weil es sich durch Ausschließung der Demokratie die lebendigen Quellen allen geistigen Reichtums und Fortschritts absperrt.«[1] Dies gilt für jede Emanzipationsbewegung.

So paradox es klingt, nicht die Einleitung von konkreten Großtransformationen, sondern die Erhöhung der Transformationsfähigkeit der Gesellschaften ist die wichtigste Aufgabe jeder Politik, die angesichts der Großprobleme der Gegenwart Transformationen einfordert. Dazu gehören vor allem

  • Erhöhung der Freiheitsgrade: die Sicherung einer möglichst großen Vielfalt von Optionen (Organisationen, Wissen, Handlungsweisen, Vergesellschaftungsformen) durch einen ständigen Prozess der innovativen Erneuerung;
  • wachsende Gleichheit: der Ausbau einer breiten öffentlichen Infrastruktur, die Informationsgewinnung und Austausch, Lernen, Kooperation ermöglichen, Missbrauch (Korruption, Ausbeutung, private Aneignung nicht erarbeiteter Renten, Unterdrückung und Gewalt) einschränken, Zugang zu den Bedingungen eines freien Lebens erhöhen sowie soziale und kulturelle Grundrechte sichern;
  • Steigerung von Solidarität: die Gewährleistung von relativ hoher Unabhängigkeit in Verbindung mit klaren (nicht zu kurzschlüssigen) Signalen, die eigenen Erfolg (im Sinne von Erhaltung und Ausbreitung von bestimmten Wissens-, Organisations-, Handlungs- und Vergesellschaftungstypen) an einem solidarischen Beitrag zur Gesamtentwicklung (sozial, ökologisch, zivil…) messen.

Die Ausformulierung dieser wenigen Prinzipien, die an transformationsfähige Gesellschaften angelegt werden, geht sofort über in die Kritik der gegebenen Gesellschaften. Man könnte sagen, dass es die Aufgabe transformatorischer Politik ist, Gesellschaften zu schaffen, die Freiheit, Gleichheit und Solidarität verknüpfen und damit den sozialen, ökologischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart besser entsprechen. Steigerung von Transformationsfähigkeit und grundlegender Wandel in Richtung einer solidarischen Teilhabegesellschaft (Rolf Reißig), Weg und Ziel, fallen zumindest unter diesem Aspekt zusammen.

zialismus werden, in der Menschen sich zusammenfinden zu gemeinsamen wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Zwecken und zugleich zur individuellen Entfaltung. Kredite und Steuermittel sowie freiwillige Spenden wären Formen, solchen Assoziationen die Anschubfinanzierung zu ermöglichen bzw. dort die dauerhafte Existenz zu sichern, wo eine zahlungsfähige Nachfrage nicht vorhanden ist bzw. nicht entstehen soll, aber grundlegende Bedürfnisse befriedigt bzw. allgemeine Lebens- und Entfaltungsbedingungen zur Verfügung gestellt werden müssen (Bildung, Information, Mobilität, Gesundheit, Pflege usw.).

Erfolgreiche Transformationen der Vergangenheit oder Gegenwart vermitteln zumindest Erfahrungen, geben zumindest Hilfe, wie die Erfolgsbedingungen für bewusste Gesellschaftsveränderung erhöht werden können. Wenn man die Errichtung der Macht der Bolschewiki und die Durchsetzung kommunistischer Gesellschaftspolitik nach dem November 1917 sicherlich als eines der umfassendsten Gesellschaftsexperimente in der Geschichte der Menschheit ansehen kann, dann ist Rosa Luxemburgs Mahnung gegenüber Lenin und Trotzki aktuell: Der Sozialismus lasse sich »seiner Natur nach nicht oktroyieren«. »Er hat zur Voraussetzung eine Reihe Gewaltmaßnahmen – gegen Eigentum etc. Das Negative, den Abbau kann man dekretieren, den Aufbau, das Positive, nicht. Tausend Probleme. Nur Erfahrung [ist] imstande, zu korrigieren und neue Wege zu eröffnen. Nur ungehemmtes, schäumendes Leben verfällt auf tausend neue Formen, Improvisationen, erhält schöpferische Kraft, korrigiert selbst alle Fehlgriffe. Das öffentliche Leben der Staaten mit beschränkter Freiheit ist deshalb so dürftig, so armselig, so schematisch, so unfruchtbar, weil es sich durch Ausschließung der Demokratie die lebendigen Quellen allen geistigen Reichtums und Fortschritts absperrt.«[1] Dies gilt für jede Emanzipationsbewegung.

So paradox es klingt, nicht die Einleitung von konkreten Großtransformationen, sondern die Erhöhung der Transformationsfähigkeit der Gesellschaften ist die wichtigste Aufgabe jeder Politik, die angesichts der Großprobleme der Gegenwart Transformationen einfordert. Dazu gehören vor allem

  • Erhöhung der Freiheitsgrade: die Sicherung einer möglichst großen Vielfalt von Optionen (Organisationen, Wissen, Handlungsweisen, Vergesellschaftungsformen) durch einen ständigen Prozess der innovativen Erneuerung;
  • wachsende Gleichheit: der Ausbau einer breiten öffentlichen Infrastruktur, die Informationsgewinnung und Austausch, Lernen, Kooperation ermöglichen, Missbrauch (Korruption, Ausbeutung, private Aneignung nicht erarbeiteter Renten, Unterdrückung und Gewalt) einschränken, Zugang zu den Bedingungen eines freien Lebens erhöhen sowie soziale und kulturelle Grundrechte sichern;
  • Steigerung von Solidarität: die Gewährleistung von relativ hoher Unabhängigkeit in Verbindung mit klaren (nicht zu kurzschlüssigen) Signalen, die eigenen Erfolg (im Sinne von Erhaltung und Ausbreitung von bestimmten Wissens-, Organisations-, Handlungs- und Vergesellschaftungstypen) an einem solidarischen Beitrag zur Gesamtentwicklung (sozial, ökologisch, zivil…) messen.

Die Ausformulierung dieser wenigen Prinzipien, die an transformationsfähige Gesellschaften angelegt werden, geht sofort über in die Kritik der gegebenen Gesellschaften. Man könnte sagen, dass es die Aufgabe transformatorischer Politik ist, Gesellschaften zu schaffen, die Freiheit, Gleichheit und Solidarität verknüpfen und damit den sozialen, ökologischen und sicherheitspolitischen Herausforderungen der Gegenwart besser entsprechen. Steigerung von Transformationsfähigkeit und grundlegender Wandel in Richtung einer solidarischen Teilhabegesellschaft (Rolf Reißig), Weg und Ziel, fallen zumindest unter diesem Aspekt zusammen.

Die Suche nach der einen »richtigen« Vergesellschaftungsform führt in die Irre. Weder eine zentralisierte Planwirtschaft oder Bürokratie bzw. Partei noch eine »Äquivalenzökonomie« (Heinz Dieterich), Genossenschaften bzw. einer Peer-to-Peer-Ökonomie oder Michael Albert »Parecon« sind »die« Lösung, weil es sehr unterschiedlicher Formen bedarf, um die sehr verschiedenen gesellschaftlichen Widersprüche zu vermitteln. Die Pflege älterer Menschen, die Bildung und Erziehung nachwachsender Generationen, die Förderung von Kunst und Kultur, die Bereitstellung öffentlicher Verkehrsinfrastruktur, der Bau und Erhalt von Wohnungen, der Anbau und Vertrieb von Lebensmitteln, das Internet, langfristige Großforschung oder die Entwicklung der Software von Betriebssystemen usw. usf. lassen sich nicht auf ein und dieselbe Weise regeln. Die Eigentums- und Machtverhältnisse werden jeweils genauso verschieden sein wie die damit verbundenen Produktions- und Lebensweisen. Und die wirksame Bindung an die universellen Menschenrechte und ihre solidarische Verwirklichung wird im konkreten Fall in sehr differenzierten Formen durchzusetzen sein. Sozialismus ist diesem Verständnis nach im Unterschied zum Kapitalismus geradezu eine Welt sprunghafter erhöhter, von der Unterordnung unter das Kapital befreiter Vielfalt. Er ist eine »Welt, in der viele Welten Platz haben«[2].

Wollte man analog zu Marxens »allgemeiner Formel des Kapitals« eine allgemeine Formel sozialistischer Reproduktion aufstellen, so wäre es die, die er selbst im »Manifest« in die Formel fasste, dass »an die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen« »eine Assoziation« tritt, »worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung der freien Entwicklung aller ist.

[1] Rosa Luxemburg: Zur russischen Revolution. In: Werke, Bd. 4, S. 360.
[2] IV. Erklärung der Zapatisten aus dem Lacandonischen Urwald (1996).