– kapitel 1

Was sollten wir unter einer Gesellschaft verstehen

Wenn wir hier von einer möglichen Alternative einer Gesellschaft sprechen, die wir anstreben, dann sollten wir zu allererst einmal über den Begriff „Gesellschaft“ im Klaren sein. Es besteht garantiert eine unterschiedliche Interpretation dieses Begriffes.

Eine Antwort darauf kann man entweder im Duden oder im Internet auf Wikipedia finden.

Gesellschaft steht für die gemeinsamen Werte und Merkmale verschiedener Gruppen bzw Gemeinschaften oder wissenschaftlichen Erkenntnisse dieser Gemeinschaften.

Nehmen wir hier nur mal Wikipedia:

  • Gesellschaft (Ethnologie), eine größere menschliche Gruppe, deren Mitglieder durch gemeinsame Sprache, Werte, Überzeugungen, Traditionen und Erfahrungen miteinander verbunden sind
  • Gesellschaft (Gesellschaftsrecht), im Wirtschaftsrecht eine Organisationsform
  • Gesellschaft (Soziologie), eine durch unterschiedliche Merkmale zusammengefasste und abgegrenzte Anzahl von Personen, die als soziale Akteure miteinander verknüpft leben und direkt oder indirekt interagieren
  • Gesellschaft (Staatsrecht), dem liberalen Staat gegenüberstehende Bürger
  • in den Wissenschaften eine Forschungs- und Fördervereinigung, siehe wissenschaftliche Gesellschaft
  • das Vorkommen verschiedener Pflanzen an einem Ort, siehe Pflanzengesellschaft
Gesellschaft betrifft also jeweils die gemeinsamen Merkmalen, Beziehungen und Regeln für die in den verschiedenen gemeinschaftlichen Gruppen oder Völkern zusammenleben und zusammen wirkenden Menschen.
Wenn wr heute und hier von einer Gesellschaft sprechen, für die wir eine Alternative suchen, dann meinen wir in erster Linie die staatsrechtliche Gesellschaft, in der seit Beginn menschlichen Zusammenlebens in Familien, Gruppen, Stämmen und Völkern von den durch körperliche Stärke, geistiger Überlegenheit oder materiellen Reichtums Herrschenden die Regeln des Zusammenlebens, also die Gesellschaftsordnung bestimmt wurden und heute immer noch bestimmt werden.
Die zivilisierte Menschheit kennt seit der Sesshaftwerdung des Menschen folgende bisher gelebte Gesellschaftsformen:
  • Sklaverei
  • Feudalismus
  • Kapitalismus
Der erste, der von einer Alternative des Kapitalismus gesprochen hat, war Kalr Marx

Marx und Engels beschreiben die kapitalistische Gesellschaft als eine Gesellschaft des revolutionären Umbruchs aller traditionellen Verhältnisse, in seinem Kern, dem Produktionsbereich, als eine Gesellschaft der „Ausbeutung“ und der „Entfremdung“.

In seinen Frühschriften, unter anderem in den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten (1844), betont Marx den Aspekt der Entfremdung. Die Arbeiter würden dem Produkt ihrer Arbeit entfremdet, weil dieses, von den Kapitalisten angeeignet, die Form des Kapitals annehme, das die Arbeiter beherrsche. Wesentliche Potentiale und Entfaltungsmöglichkeiten des menschlichen „Gattungswesens“, das heißt der menschlichen Schaffensmöglichkeiten, würden so „pervertiert“ und durch eine subtile Form der Knechtschaft ersetzt, auch wenn diese auf einer scheinbaren, jedoch nur juristischen Freiheit beruhe. Arbeit sei im Kapitalismus nicht eine Möglichkeit der Selbstverwirklichung, sondern durch den Lohnarbeiterstatus erzwungene Arbeit.

Ihre wichtigsten Vertreter sind Wilhelm Roscher, Bruno Hildebrand und Gustav von Schmoller.

Jüngere Historische Schule

Georg Friedrich Knapp unterscheidet den Kapitalismus durch das Aufkommen von Großbetrieben von früheren Wirtschaftsepochen.

Karl Bücher beschreibt in seiner klassisch gewordenen Entstehung der Volkswirtschaft (1917) Kapitalismus als die Wirtschaftsepoche, bei der alle ökonomischen Verhältnisse über ihre Beziehung zum Kapital definiert werden. Werner Sombart wandte sich in der zweiten Auflage von Der moderne Kapitalismus entschieden gegen diese Charakterisierung. Richard Passow wandte ein, dass dies dem üblichen wirtschaftswissenschaftlichen Gebrauch zuwiderlaufe.

Nehmen wir noch Max Weber (* 21. April 1864 in Erfurt; † 14. Juni 1920 in München)
Er gilt als einer der Klassiker der Soziologie sowie der gesamten Kultur- und Sozialwissenschaften. Mit seinen Theorien und Begriffsprägungen hatte er großen Einfluss insbesondere auf die Wirtschafts-, die Herrschafts- und die Religionssoziologie. Mit seinem Namen verknüpft sind die „Protestantismus-Kapitalismus-These“, das Prinzip der „Werturteilsfreiheit“ sowie die Unterscheidung von „Gesinnungs-“ und „Verantwortungsethik“. als einer der Klassiker der Soziologie sowie der gesamten Kultur- und Sozialwissenschaften. Mit seinen Theorien und Begriffsprägungen hatte er großen Einfluss insbesondere auf die Wirtschafts-, die Herrschafts- und die Religionssoziologie. Mit seinem Namen verknüpft sind die „Protestantismus-Kapitalismus-These“, das Prinzip der „Werturteilsfreiheit“ sowie die Unterscheidung von „Gesinnungs-“ und „Verantwortungsethik“.

Die sogenannte Jüngste Historische Schule charakterisiert den Kapitalismus über eine auftretende kapitalistische Gesinnung und begründete die soziologische Untersuchung des Kapitalismus.

Werner Sombart ( 19. Januar 1863 in Ermsleben; † 18. Mai 1941 in Berlin) sah diese Gesinnung in Erwerbsprinzip, Rationalität und Individualismus manifestiert. Er entwarf in Der moderne Kapitalismus (1902) die verbreitete Einteilung des Kapitalismus in die Entwicklungsphasen Früh-, Hoch- und Spätkapitalismus. Im Spätkapitalismus sah er in den zunehmenden Staatseingriffen erste Anzeichen eines Entwicklungsgesetzes hin zur Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Von ihm stammt der später von Joseph Schumpeter verbreitete Begriff der „schöpferischen Zerstörung“.

Max Weber versteht und erklärt den Kapitalismus als okzidentalen Rationalismus und stellt das in allen Gesellschaftsebenen umgreifende Rationalitätsstreben in den Mittelpunkt. Alle Entscheidungen im kapitalistischen System basieren auf Nutzen- bzw. Gewinnmaximierung. Dabei kann ein soziales Handeln unterstellt werden, das zweckrational orientiert ist. „Kapitalistische Wirtschaftsakte“ sind bestimmt durch „Erwartung von Gewinn durch Ausnützung von Tausch-Chancen“.

Der Staat, die Bürokratie und das Recht geben dem aufkommenden (Früh-)Kapitalismus für seine Entfaltung eine gefestigte gesellschaftliche Form. Religion in Gestalt von Kultur als soziales Handeln ist dabei die stärkste Macht hinsichtlich rational-methodischer Lebensführung.

Weber stellt in seinem Buch Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus die These auf, dass der Kapitalismus in Nordwesteuropa und den USA aus religiösen Gründen entstanden sei und eine – im geistigen Sinne – Weiterentwicklung der Reformationsbewegung darstelle (vgl. das protestantische Arbeitsethos und die protestantische Ethik allgemein). Da dies für Japan nicht haltbar war, untersuchte Weber die (funktional entsprechende) Rolle der Samurai.

Arthur Spiethoff bezog eine vermittelnde Position („anschauliche Theorie“) zwischen der historisierenden Charakterisierung des Kapitalismus in der Historischen Schule und der reinen Theorie der klassischen und neoklassischen Nationalökonomie.

Wie Marx im Vorwort der Schrift Zur Kritik der politischen Ökonomie von Januar 1859 erwähnt, nimmt die Einleitung Resultate in Thesenform vorweg.

Produktion

Marx’ Ausgangspunkt bei der Beschreibung der materiellen Produktion sind die in Gemeinschaft produzierenden Individuen, und daher die gesellschaftlich bestimmte Produktion der Individuen. Die Vorstellungen der bürgerlichen Ökonomen von ursprünglich einzeln, z.B. als vereinzelte Jäger und Fischer produzierenden Individuen bezeichnet Marx als „Robinsoniaden“, Einbildungen, durch welche das in freier Konkurrenz stehende Individuum der zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert entstandenen bürgerlichen Gesellschaft idealisiert werde. Für ihn gilt dagegen: „Der Mensch ist im wörtlichsten Sinn ein ζῷον πολιτικόν, (der Mensch als soziales, politisches Wesen). Nachfolgend wird der philosophische Fachterminus behandelt. Dabei ist zu beachten, dass in der Forschung umstritten ist, wie Aristoteles den Ausdruck gemeint hat.[3] Gemäß der einen Forschergruppe (z. B. Wolfgang Kullmann) bedeutet er, dass der Mensch ein soziales, auf Gemeinschaft angelegtes und Gemeinschaft bildendes Lebewesen ist. Eine andere Gruppe von Forschern (z. B. Eckart Schütrumpf) betont dagegen den Bezug des Menschen auf die Polisgemeinschaft. nicht nur ein geselliges Tier, sondern ein Tier, das nur in der Gesellschaft sich vereinzeln kann.“ Für Marx kann aus den allgemeinen, zeitunabhängigen Bedingungen der Produktion die wirkliche geschichtliche Stufe der Produktion nicht begriffen werden. Die wirkliche Produktion ist nicht „allgemein“, sondern entweder ein besonderer Produktionszweig, z.B. Agrikultur, Viehzucht, Manufaktur etc., oder sie ist die Totalität einer gesamten Gesellschaft. Insbesondere sei das Kapital nicht abstrakt aufzufassen als die zum Produktionsinstrument verwendete angehäufte Arbeit, sondern von den spezifischen Verhältnissen der modernen bürgerlichen Produktion bestimmt. Daher sei das Kapital kein allgemeines ewiges Naturverhältnis.

Produktion, Distribution, Austausch, Konsumtion

Diese vier Kategorien sind nach Marx Auffassung die unterschiedlichen Glieder einer Totalität. Die Distribution sei nicht nur die Verteilung der Produkte, sondern auch der Produktionsinstrumente, sowie der Individuen unter bestimmte Produktionsformen. Auch der Austausch für den privaten Konsum sei nur scheinbar unabhängig von der Produktion, sondern von dieser bestimmt aufgrund von Arbeitsteilung, Privatproduktion, sowie Entwicklung und Gliederung der Produktionsverhältnisse, z.B. zwischen Stadt und Land.

Somit sei die Produktion bestimmend, sie „greift über, sowohl über sich in der gegensätzlichen Bestimmung der Produktion, als über die andren Momente. Von ihr beginnt der Prozeß immer wieder von neuem“. Andererseits werde die Produktion „in ihrer einseitigen Form“ von den anderen Elementen bestimmt.

Die Methode der politischen Ökonomie

Marx untersucht die Beziehung zwischen konkreten und abstrakten Kategorien in der Ökonomie. Dabei geht er auf das Problem der richtigen Reihenfolge in Forschung und Darstellung ein. Der Weg von der konkreten Bevölkerung, über Klassen, Lohnarbeit und Kapital, hin zu immer abstrakteren Begriffen wie Austausch, Arbeitsteilung, Preis sei von den Ökonomen des 17. Jahrhunderts beschritten worden. Die wissenschaftlich richtige Methode steige umgekehrt von dem Einfachen, wie Arbeit, Teilung der Arbeit, Bedürfnis, Tauschwert, auf bis zum Staat, Austausch der Nationen und Weltmarkt. Hierdurch werde das Konkrete aber lediglich gedanklich reproduziert. Die konkrete Wirklichkeit als Resultat des Denkens aufzufassen sei dagegen eine Illusion, welche Marx Hegel vorwirft: „Hegel fängt die Rechtsphilosophie richtig mit dem Besitz an, als der einfachsten rechtlichen Beziehung des Subjekts. Es existiert aber kein Besitz vor der Familie oder Herrschafts- und Knechtsverhältnissen, die viel konkretre Verhältnisse sind.“

Die Abstraktion der Kategorie besitzt selbst historische Voraussetzungen. Zum Beispiel scheine Arbeit eine ganz einfache und in ihrer Allgemeinheit uralte Kategorie, welche aber erst ökonomisch verwirklicht werde in der modernsten bürgerlichen Gesellschaft, den Vereinigten Staaten, in welcher die Individuen mit Leichtigkeit die Arbeit wechseln, und ihnen die bestimmte Art der Arbeit zufällig, und daher gleichgültig sei. Somit sei die Abstraktion der für alle Epochen gültigen Kategorien ein Produkt historischer Verhältnisse, nur für und innerhalb dieser seien die Kategorien voll gültig.

Die Kategorien zum Verständnis der bürgerlichen Gesellschaft gewährten zugleich Einsicht in die der untergegangenen Gesellschaftsformen, mit deren Trümmern und Elementen sie sich aufgebaut haben. Im Vergleich mit den vorherigen Gesellschaften seien die Kategorien in der derzeitigen jedoch immer in wesentlichem Unterschied entwickelt, verkümmert oder karikiert. Marx benutzt die Metapher: „Die Anatomie des Menschen ist ein Schlüssel zur Anatomie des Affen. Die Andeutungen auf Höheres in den untergeordneten Tierarten können dagegen nur verstanden werden, wenn das Höhere selbst schon bekannt ist.(…) Man kann Tribut, Zehnten etc. verstehn, wenn man die Grundrente kennt. Man muß sie aber nicht identifizieren.“

Eine Gesellschaft sei nur unter ganz bestimmten Umständen fähig, sich selbst zu kritisieren, ansonsten betrachte sie ihre Vorgänger einseitig als Stufen einer historischen Entwicklung zu sich selbst: „Die christliche Religion war erst fähig, zum objektiven Verständnis der früheren Mythologien zu verhelfen, sobald ihre Selbstkritik zu einem gewissen Grad, sozusagen δυνάμει fertig war. So kam die bürgerliche Ökonomie erst zum Verständnis der feudalen, antiken, orientalen, sobald die Selbstkritik der bürgerlichen Gesellschaft begonnen.“

Marx hält für jede historische, soziale Wissenschaft fest, „daß, wie in der Wirklichkeit so im Kopf, das Subjekt, hier die moderne bürgerliche Gesellschaft, gegeben ist und daß die Kategorien daher Daseinsformen, Existenzbestimmungen, oft nur einzelne Seiten dieser bestimmten Gesellschaft, dieses Subjekts ausdrücken und daß sie daher auch wissenschaftlich keineswegs da erst anfängt, wo nun von ihr als solcher die Rede ist.“

Im letzten Kapitel der Einleitung äußert sich Marx auch zum ungleichen Verhältnis der Entwicklung der materiellen Produktion zur künstlerischen. Bestimmte Kunstformen könnten nicht mehr produziert werden, sobald eine Gesellschaft in die Kunstproduktion als solche eintritt: „Ist Achilles möglich mit Pulver und Blei? Oder überhaupt die ‚Iliade‘ mit der Druckerpresse und gar Druckmaschine? Hört das Singen und Sagen und die Muse mit dem Preßbengel nicht notwendig auf, also verschwinden nicht notwendige Bedingungen der epischen Poesie?“

Den Genuss, welchen die griechische Kunst in der Moderne bietet, erklärt Marx aus dem Bewusstsein von der Unumkehrbarkeit der gesellschaftlichen Fortentwicklung: „Ein Mann kann nicht wieder zum Kind werden, oder er wird kindisch. Aber freut ihn die Naivetät des Kindes nicht, und muß er nicht selbst wieder auf einer höhern Stufe streben, seine Wahrheit zu reproduzieren? Lebt in der Kindernatur nicht in jeder Epoche ihr eigner Charakter in seiner Naturwahrheit auf? Warum sollte die geschichtliche Kindheit der Menschheit, wo sie am schönsten entfaltet, als eine nie wiederkehrende Stufe nicht ewigen Reiz ausüben? Es gibt ungezogne Kinder und altkluge Kinder. Viele der alten Völker gehören in diese Kategorie. Normale Kinder waren die Griechen. Der Reiz ihrer Kunst für uns steht nicht im Widerspruch zu der unentwickelten Gesellschaftsstufe, worauf sie wuchs. Ist vielmehr ihr Resultat und hängt vielmehr unzertrennlich damit zusammen, daß die unreifen gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen sie entstand und allein entstehn konnte, nie wiederkehren können.“

  • Joseph A. Schumpeter: Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie. Übersetzt von Susanne Preiswerk. Einleitung von Edgar Salin. Francke, Bern 1946; 2. erweiterte Auflage ebd. 1950; 3. Aufl. 1972, ISBN 3-7720-0917-4

Sehen wir uns die Formen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung an:

Die industrielle Revolution war mit grundlegenden Veränderungen im wirtschaftlichen Bereich verbunden, die in dem Ausdruck Kapitalismus begrifflich zusammengefasst wurden. Darin zeigt sich die Bedeutung, die den investiven Mitteln für die Umsetzung technischer Innovationen im Transportwesen und in den zu errichtenden Fabriken sowie bei der Finanzierung des Lebensunterhalts größerer Lohnarbeiterbelegschaften zukam. Zu den Bedingungen einer diesbezüglichen Kapitalakkumulation und -verwendung gehörte auch eine Mentalität auf Seiten der Unternehmer, die dem entsprach und Vorschub leistete.

Weltanschaulich-theoretische Grundlagen

Außer der Ermittlung sachlich-objektiver Bedingungen der Industriellen Revolution haben Historiker und Soziologen sich auch der Frage angenommen, von welchen zeitgenössischen Bewusstseinskomponenten der Eintritt in ein neues Wirtschaftszeitalter begleitet bzw. bestimmt war. Werner Sombart und Max Weber – in seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ – haben dazu die oft zitierte Auffassung entwickelt, dass bestimmte protestantische Glaubensgemeinschaften wie Calvinisten, Puritaner und Quäker es waren, die dem Geist des Kapitalismus vorgearbeitet haben. Bei ihnen war die Prädestinationslehre in einer Ausrichtung maßgeblich, in der die Gottgefälligkeit der menschlichen Existenz sich im wirtschaftlichen Erfolg eines auf beruflichen Fleiß, auf Sparsamkeit und Sittenstrenge gegründeten Lebens zeigte.

„Die innerweltliche protestantische Askese […] wirkte also mit voller Wucht gegen den unbefangenen Genuß des Besitzes, sie schnürte die Konsumtion, speziell die Luxuskonsumtion, ein. Dagegen entlastete sie im psychologischen Effekt den Gütererwerb von den Hemmungen der traditionalistischen Ethik, sie sprengte die Fesseln des Gewinnstrebens, indem sie es nicht nur legalisierte, sondern (in dem dargestellten Sinn) direkt als gottgewollt ansah.“[46]

Die volle ökonomische Wirkung dieser im 17. Jahrhundert insbesondere von Richard Baxter verbreiteten Lehre entfaltete sich, so Max Weber, erst nach dem Abflauen des rein religiösen Enthusiasmus’. An der Wiege des modernen Wirtschaftsmenschen habe die an innerweltliche Askese gebundene puritanische Lebensauffassung gestanden:

„Mit dem Bewußtsein, in Gottes voller Gnade zu stehen und von ihm sichtbar gesegnet zu werden, vermochte der bürgerliche Unternehmer, wenn er sich innerhalb der Schranken formaler Korrektheit hielt, sein sittlicher Wandel untadelig und der Gebrauch, den er von seinem Reichtum machte, kein anstößiger war, seinen Erwerbsinteressen zu folgen und sollte dies tun. Die Macht der religiösen Askese stellt ihm überdies nüchterne, gewissenhafte, ungemein arbeitsfähige und an der Arbeit als gottgewolltem Lebenszweck klebende Arbeiter zur Verfügung.“[47]

Auf das Industrieproletariat ließ sich anwenden, was als Calvin-Zitat häufig wiederholt wurde: dass nur, wenn das Volk arm erhalten werde, es Gott gehorsam bleibe.[48]

Adam Smith

Das wirtschaftstheoretische Fundament für das Zeitalter des industriellen Kapitalismus legte der schottische Moralphilosoph Adam Smith mit seiner 1776 erschienenen Schrift „Der Wohlstand der Nationen“ (Originaltitel: An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations), die zudem für die klassische Nationalökonomie wegweisend wurde. Das individuelle Profitstreben jedes einzelnen am Wirtschaftsleben Beteiligten sorgte demnach wie von unsichtbarer Hand gesteuert dafür, den allgemeinen Wohlstand bestmöglich zu fördern:

„Da nun aber der Zweck jeder Kapitalanlage Gewinnerzielung ist, so wenden sich die Kapitalien den rentabelsten Anlagen zu, d. h. denjenigen, in denen die höchsten Gewinne erzielt werden. Indirekt wird aber auf diese Weise auch die Produktivität der Volkswirtschaft am besten gefördert. Jeder glaubt nur sein eigenes Interesse im Auge zu haben, tatsächlich aber erfährt so auch das Gesamtwohl der Volkswirtschaft die beste Förderung…. Verfolgt er nämlich sein eigenes Interesse, so fördert er damit indirekt das Gesamtwohl viel nachhaltiger, als wenn die Verfolgung des Gesamtinteresses unmittelbar sein Ziel gewesen wäre. Ich habe nie viel Gutes von denen gesehen, die angeblich für das allgemeine Beste tätig waren. Welche Kapitalanlage wirklich die vorteilhafteste ist, das kann jeder einzelne besser beurteilen als etwa der Staat oder eine sonstwie übergeordnete Instanz.“[49]

Die Rolle des Staates bestimmte Smith im Anschluss an John Locke und im Gegensatz zum Leviathan von Thomas Hobbes zurückhaltend. Die staatlichen Zuständigkeiten sah er anders als im Merkantilismus darauf beschränkt, die äußere Sicherheit des Gemeinwesens zu erhalten, das Privateigentum und ein stabiles Rechtssystem für die Bürger zu gewährleisten sowie für eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur, öffentliche Ordnung und das Bildungswesen zu sorgen. Die auf freie unternehmerische Entfaltung gerichtete wirtschaftsliberale Lehre von Adam Smith begünstigte dergestalt ein mit den industriellen Produktionsverhältnissen harmonierendes Bürgertum:

„Die Industrie eines Landes kann sich nur in dem Maße vermehren, als das Kapital zunimmt, und das Kapital nimmt nur in dem Maße zu, als nach und nach aus dem Einkommen gespart wird. Kapitalbildung und Industrieentfaltung müssen in einem Lande dem natürlichen Gang der Entwicklung überlassen bleiben. Jede künstliche wirtschaftspolitische Maßnahme lenkt die produktiven Kräfte der Arbeit und auch die Kapitalien in eine falsche Richtung.“

Karl Marx entwickelte seinerseits seine Theroie über den gerade entstehenden Kapitalismis in Form einet fundamentalen „Kritik der politischen Ökonomie“. Dies beinhaltet einerseits die Analyse der Warenform, des Werts, des Kapitals und der kapitalistischen Produktions- und Distributionsverhältnisse, in welche die Produktion des gesellschaftlichen Reichtums in der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft eingebettet ist.

vor 1891: Frühkapitalistisches Anfänge  in Deutschland unter der Führung des jeweiligen Fürsten bzw. Königs. Die Herrscher führte mehr oder weniger Kriege zur Eroberung neuer Territorien mit neuer kostenloser Untertanen und ihrem Grund und Boden sowie neueren handwerklichen Fähigkeiten

1891-1918:  Die Gründung des deutschen Kaiserreiches unter Führung des Kaisers Wilhelm I. hat  die nationale Ausdehnung der Wirtschaft zur Folge, die die erste industrielle Explosion