Freiheit

Freiheit und Gleichheit

von Fritz Andres

Freiheit und Gleichheit scheinen sich auszuschließen. Denn die freie Entfaltung des Einzelnen führt zur Unterschiedlichkeit der Individuen, also zur Ungleichheit, und Gleichheit läßt sich eben deswegen nur herstellen, wenn man die freie Entfaltung der Menschen unterbindet. So jedenfalls der erste Anschein und eine weit verbreitete Meinung. Gleichheit kann für ein solches Denken nur zu Lasten der Freiheit, Freiheit nur unter Verletzung der Gleichheit gewährleistet und realisiert werden. Und da die  Gleichheit der Lebensnerv der Gerechtigkeit ist, stehen damit auch Freiheit und Gerechtigkeit in einem scheinbar unauflöslichen Widerspruch.

Und doch gibt es eine Begegnungsebene zwischen den Menschen, auf der sie sich als Gleiche ansehen können und gerade hierin – in der wechselseitigen Anerkennung als Menschen – die Grundlage ihrer freien Entfaltung in der Gesellschaft sehen: Gleichheit also als konstitutives Element der Freiheit! Und zugleich ist es gerade die Freiheitsfähigkeit, der Wendepunkt des Menschen, seine Entwicklungsfähigkeit, sein produktiver Kern, an dem wir anknüpfen müssen, wenn wir einander als Gleiche erleben  wollen: Freiheit also als konstitutives Element der Gleichheit!

Das Verhältnis von Freiheit und Gleichheit ist nicht etwa nur ein Gegenstand philosophischer Spekulation oder ein Thema für Verfassungsjuristen.

Freiheit und Gleichheit sind die beiden die Gesellschaft von ihren  Grundfesten bis in ihre letzten Verästelungen hinein durchziehenden und bewegenden Ideen und Kräfte, die sich in der Wirklichkeit wechselseitig lähmen und zerstören, wenn sie nicht in ein am Wesen des Menschen orientiertes Verhältnis zueinander gebracht werden. Dieses Verhältnis zu finden,  ist eine Überlebensfrage der Menschheit.

Über Freiheit und Gleichheit ist viel nachgedacht worden, aber wohl selten so fundiert und zugleich anwendungsbezogen wie in der Schrift  »Gleiche Freiheit« von Dieter Suhr, die er im Jahre 1988 unter Mitarbeit von Armin Trautmann vorgelegt hat. Die Schrift hat nicht die Beachtung  gefunden, die sie verdient. Seit mehreren Jahren ist sie vergriffen. Der hier vorgelegte Nachdruck, der auch die ursprünglichen Seitenangaben beibehält, soll zu einem vertieften Nachdenken über die Grundfragen von Staat und Gesellschaft anregen. Wir danken Frau Suhr und ihren Kindern für die Erlaubnis, »Gleiche Freiheit« im Rahmen unserer  Schriftenreihe nachdrucken zu dürfen.

PDF-Datei: http://www.sozialoekonomie.info/Weiterfuhrende_Informationen/Suhr_Gleiche-Freiheit/Suhr_Gleiche-Freiheit.pdf

erschienen unter
FRAGEN DER FREIHEIT– Beiträge zur freiheitlichen Ordnung von Kultur, Staat und Wirtschaft –
Folge 259/260
Juli–Dezember 2001
seit 1957
Herausgegeben vom Seminar für freiheitliche Ordnung e.V.
Badstraße 35, D-73087 Bad Boll, Telefon (0 7164) 35 73
Internet: www.

Libertärer Kommunalismus und die Zukunft der Linken

Libertärer Kommunalismus und die Zukunft der Linken

  Unrast-Verlag
Murray Bookchin

Die nächste Revolution

Libertärer Kommunalismus und die Zukunft der Linken

Mehr als 40 Jahre lang entwickelte Murray Bookchin seine Ideen über Kommunalismus, libertäre Ökologie und direkte Demokratie und brachte sie in die Politik der Neuen Linken ein.

»Über die Jahre hat Murray Bookchin seine eindrucksvollen Fähigkeiten und sein Engagement in vielen Bereichen unter Beweis gestellt: sei es Geschichte, Technologie, gesellschaftliche Organisation, die Suche nach Freiheit und Gerechtigkeit und vieles andere mehr. Immer hat er Einsichten, Erkenntnisse, originelle und provokante Thesen sowie anregende Visionen beigetragen. Diese neue Textsammlung über radikale Demokratie ist Zeugnis seiner Lebensleistung.«
Noam Chomsky

Seine Schriften beeinflussten zahlreiche politische DenkerInnen und Soziale Bewegungen – von der radikalen Ökologiebewegung bis zur Antiglobalisierungsbewegung. Nicht zuletzt bezieht sich aktuell die kurdische Befreiungsbewegung in der Türkei und in Syrien auf die Weiterentwicklung von Bookchins Idee des Libertären Kommunalismus zur Praxis desDemokratischen Konföderalismus.

Mit einem Vorwort der Bestsellerautorin Ursula K. Le Guin eingeleitet, versammelt Die nächste Revolution erstmals Bookchins Essays über Freiheit und direkte Demokratie, um eine gewichtige politische Vision zu entwickeln, die vom Protest zur praktischen Transformation des Kapitalismus führen kann.»[…] weltweit finden Diskussionen um die Frage statt, ob demokratischer Konföderalismus auch eine Alternative für die kapitalistischen Metropolen sein kann, oder ob es eine Bewegung ist, die im antikolonialen Kontext wirk­mächtig ist, in Industrienationen jedoch nicht. […] Im Rahmen sich immer weiter zuspitzender Verhältnisse ist die Lektüre von Bookchin mehr als aktuell und angebracht.«       

 

„Befreiung“ ist nicht der Zustand „Freiheit“

„Befreiung“ ist nicht der Zustand „Freiheit“, sondern der Prozess, durch den man aus einem Zustand herauskommt und etwas Neues schafft. (Raoul Zelik: Nach dem Kapitalismus? – VSA Hamburg,2009. S. 126)

Gleiches sagte auch Stéphane Hessel, Paris, mit seinem millionenhaft verbreiteten und angenommenen Aufruf „Empört Euch!“, in dem er als Zusammenfassung die Parole ausgab: „Neues schaffen, heißt Widerstand leisten. – Widerstand leisten, heißt Neues schaffen!

Es versteht sich von selbst, dass die Befreiung oder auch Emanzipien aus die Persönlickeit belastenden oder einschränkenden moralischen, rechtlichen oder gar geistig-phychologischen Grenzen, aus aller Vernunft heraus auch die Schaffung der bisher nicht vorhandenen freien Handlung als etwas Neues geplant und dann auch verfolgt werden sollten.

Dazu gehört dann auch eine sorgfältig überdachte Analyse der bisherigen Einschränkungen in der Entwicklung der Persönlichkeit, um daraus dann eine ebenso nüchterne, logische und die Würde der um gebenden Menschen berücksichtigenden Dimensionen der angestrebten „Freiheit“ zu Grunde legen.

Mit anderen Worten: Sich mit eifrigen Losungen von der bisherihgen Unfreiheit zu befreien, um dann in eine andere Unfreiheit hinein gegehen oder passiv zu geraten, wäre doch wirklich kein von aussen auch noch zu unterstützender Widerstand.

Ganz gefährlich ist erwiesener Maßen der inhalts- und ziellose Ruf nach „Freiheit“, und erst Recht, wenn den sich befreienden Menschen nicht die Gefahr des Weges in die unbestimmte Freiheit von den erfahrenden Rufern verschwiegen werden.

Rosa Luxemburg sagte : Die Freiheit des Einzelnen ist zuerst die Freiheit der Anderen!“

Wer für sich allein „Freiheit“ beansprucht, wird aus meiner moralischen Sicht nie wirklich frei werden, wenn er seine persönliche Freiheit auf Kosten der Anderen erreichen will.

Diese Gedanken werden fortgesetzt!