13 Eine praktische, tätige Moral kann kaum ausschließlich auf dem »Sollen« beruhen, sie bedarf des freiwilligen »Wollens«. Das Gute kann die verschiedensten Formen einnehmen, aber sein wesentlicher Inhalt ist Dienst an den anderen. Das bedeutet: Das Gute speist sich aus dem subjektiven Bedürfnis oder Wunsch, unseren Mitmenschen zu helfen bzw. sie glücklich zu sehen. Oder wie Kant sagen würde, sie nicht für unsere Zwecke zu missbrauchen und sie in ihrer ganzen Würde anzuerkennen. Moral ist immer und konstitutiv auf die Mitmenschen bezogen, ist von Hause aus relationaler Natur. Es heißt Transzendierung der eigenen Interessensphäre und Schaffung eines Raumes, in dem sich jeder geborgen und sicher fühlt.

Das Humane als die Konkretisierung des Guten strebt spontan und wesensmäßig danach, sich zu universalisieren, sich Gehör zu verschaffen und sich gesellschaftlich durchzusetzen. In diesem Sinne bedeutet es tätigen Einsatz für eine gerechtere, bessere, sinnvollere Welt. Dieses Engagement kann sowohl auf zwischenmenschlichem wie auf gesellschaftspolitischem Wege erfolgen. Hierarchische Unterschiede
zwischen beiden Verhaltensweisen festlegen zu wollen, scheint mir fehl am Platze. Welchen von beiden Wegen man wählt, hängt immer von der Veranlagung oder der Berufung des jeweiligen Einzelnen ab. Allein wichtig ist die Bereitschaft oder der Wille, den in Not geratenen Menschen die Hand zu reichen, die Verlassenen und Gedemütigten nicht im Stich zu lassen, sich bemühen, ihnen das Gefühl zu vermitteln, sie wären nicht ganz allein in der Welt.

 

 

K
ain und Abel – Neid, Missgunst und Wut gibt es, so lange es Menschen gibt. Oft sind sie die Ursache für Gewalt. Die Geschichte von Kain und Abel handelt davon. Kain, der aus Neid seinen Bruder Abel tötet, begeht den ersten Mord – so berichtet die Bibel. Hat sich der Mensch seitdem geändert?