Das menschliche Individuum und seine biologisch-soziologische Entwicklung

 

[Horst Grützke]

Aus neoliberaler Sicht auf die politische und wirtschaftliche Entwicklung der menschlichen Gemeinschaft das Individuum allein als Akteur und Nutzniesser jeglicher politischer Entscheidung gesehen. Völlig ignoriert wird der Faktor, dass der Mensch als Individuum allein gar nicht existieren kann, also folglich auch sein Schicksal in der Regel nicht allein bestimmen kann.

Das beginnt bereits bei der Zeugung des Menschen. Biologisches Leben kann nur durch  sexuelle Paarung von Mann und Frau erzeugt werden.  Der Mensch wächst nach der Geburt – in der Regel – in der Familie heran. In der Frühzeit der Menschheitsentwicklung, vor mehr als 100.000 Jahren, entwickelte sich das Individuum ausnahmslos in der  Großfamilie, in der mehrere Generationen zusammenlebten. Gemeinsam wurde nach Nahrung gejagt und gesammelt, um den Hunger des Einzelnen zu stillen. Gemeinsamkeit herrschte bei der Pflege und Erziehung des Kindes, um es  n die Lage zu bringen, sich gemeinsam mit den Anderen ebenfalls an der Gewinnung und Sammlung von Nahrung zu beteiligen.

Jedem Wesen der biologischen Gattung Tier wie auch Mensch war der Trieb der Selbsterhaltung und der Fortpflanzung gegeben. Seine Befriedigung konnte bei Tier und auch Mensch nur im Zusammenleben und Zusammenwirken mit anderen Individuen erfolgen.  Die Entwicklung zum Menschen begann bereits bei seiner Zeugung und setzte sich dann bei der Stillung des Hungers und des Durstes fort. Das ging in der Regel nur durch das Dasein der Mutterbrust. Vom ersten Tag der Menschwerdung war und ist immer noch die sprachliche Kommunikation mit einem anderen Menschen die Voraussetzung für das individuelle Verhaltens und der Entwicklung zum selbständigen Handeln in jeder Lebenssituation. Durch sie konnte das Individuum seine Bedürfnisse zum Ausdruck bringen, konnte sich und seinen Nächsten in gegebenen Fällen vor einer sich nähernden Gefährdung warnen oder aus der Not helfen. Durch die von zumindest zwei Individuen benutzte Sprache wuchs bei jedem an der Kommunikation Beteiligten das Wissen um die Lebenserhaltung im Allgemeinen und das individuelle Verhalten und die individuelle Selbstverwirklichung im Besonderen. Das im Verlaufe der Entwicklung des gemeinschaftlichen Lebens sich entwickelnde Wissen um das Handeln  des Einzelnden in der Gemeinschaft erleichterte das individuelle Leben und sein Vorankommen in der Gemeinschaft.

Der dem Mensch wie auch dem Tier von der Natur aus mitgegebene Trieb auf Selbsterhaltung verwirklichte sich jedoch bei jedem Einzelnen nicht gleich. Je mehr sich die Gattung Mensch kulturell, also auch sprachlich, entwickelte, um so mehr distanzierte sich der Mensch vom Tier. Er konnte sich seine Nahrung im gemeinschaftlichen Handeln leichter erhalten oder schaffen und gegebenenfalls auch vorrätig bereit halten. Gleiches gemeinschaftliches und abgestimmtes Handeln  beschleunigte und erleichterte auch die Schaffung von Unterkünften zum Schutz vor den Naturgewalten. Das n der menschlichen Zusammenleben erworbene und ständig wachsende Wissen „um die Dinge“ drückte zwar das tierische Wahrnehmen der Naturtriebe auf Selbsterhaltung und Fortpflanzung zurück, liess allerdings bei fast jeden Individuum ein Stück „Freiheit“, um sich auf seine Weise, etwas mehr Nahrung oder einen bessere Pelz zur Bekleidung zu „erwerben“.  Habgier, Raffgier, Habsucht oder Raffsucht ist das übersteigerte Streben nach materiellem Besitz, unabhängig von dessen Nutzen, und eng verwandt mit dem Geiz, der übertriebenen Sparsamkeit und dem Unwillen zu teilen. Habgier ist dem Egoismus, der Eifersucht und dem Neid verwandt.

Die Triebe der Selbsterhaltung und der Fortpflanzung waren jedem biologischen individuellen Wesen von der Natur gegeben. Das betrifft insbesondere Tier wie auch Mensch. Die  Wahrnehmung der Triebe konnte nur  im Zusammeneben mit anderen Individuen erfolgen, jedoch von jedem einzelnen Menschen auf seine Weise, individuell wahrgenommen. Da war die körperliche und geistige Konstitution und Veranlagung, die von den Erzeugern dem Neugeborenen mitgegeben wurde, mehr oder weniger für den einzelnen Jungen oder das einzelne Mädchen bestimmend, wie er/sie sich dann entwickelten. Das wesentlichste Hilfsmittel des individuellen Verhaltens und der Entwicklung zum selbständigen Handeln in jeder Lebenssituation war seit Beginn der Menschwerdung –  und ist heute immer noch –  die sprachliche Kommunikation. Durch sie konnte das Individuum seine Bedürfnisse zum Ausdruck bringen, konnte sich und seinen Nächsten in gegebenen Fällen vor einer sich nähernden Gefährdung warnen oder aus der Not helfen. Durch die von zumindest zwei Individuen benutzte Sprache wuchs bei jedem an der Kommunikation Beteiligten das Wissen um die Lebenserhaltung im Allgemeinen und das individuelle Verhalten und die individuelle Selbstverwirklichung im Besonderen. Das im Verlaufe der Entwicklung des gemeinschaftlichen Lebens sich entwickelnde Wissen um das Handeln  des Einzelnden in der Gemeinschaft erleichterte das individuelle Leben und sein Vorankommen in der Gemeinschaft.

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