Mein Leben in 4 Gesellschaftsordnungen: Teil 4: 1952 bis 1990 – Sozialismus

Teil 4 – DDR – Antifaschistisch-, sozialistische Republik

In der Gesellschaft der sich entwickelnden DDR war ich zweimal im Gefängnis.

Einmal 1953 in DDR, wo mich zwei in Zivilkleidung gekommene Mitarbeiter der Stasi aus meiner damaligen Arbeitsstelle herausholten und im damaligen Gebäude des Berliner Polizeipräsidiums in eine Einmannzelle einschlossen. Sechs Wochen lang verbrachte ich in Untersuchungshaft. Man befragte mich, ob ich für den französischen Geheimdienst deuxiem bureau arbeiten würde. Der Verdacht bestände, weil ich persönliche kontakte mit einem französischen Offizier aus dem französischen Sektor Berlins hätte. Es handelte sich um den 28jährige Leutnant Berhard H., der für die französische Militärverwaltung des Französischen Sektors Berlin arbeitete, und mit dem ich mich hin und wieder in Ostberlin oder auch in Frohnau traf. Ich beteuerte den mich vernehmenden beiden Mitarbeitern der Staatssicherheit, dass ich Bernard H. bereits seit 1946 kenne, und damals oft von ihm eingeladen wurde, in in seiner Wohnung in Frohnau zu besuchen. Oftmals lud er mich ein, bei ihm zu übernachten. Am anderen Tag gab er mir Essware mit und auch Zigaretten für meine Mutter, die eine starke Raucherin war. Bernard H. überzeugte mich, ein besseres Leben führen zu können, wenn ich mich in französischen Werbebüro in der französischen Zone in Donaueschingen für eine Arbeit in Frankreich verpflichten würde, was ich auch Ende 1946 machte (siehe mein Leben Teil 3 A – Im Nachkriegskapitalismus). Als ich dann ein knappes Jahr bereits in Nordfrankreich im Berwerk arbeitete, erhielt ich von Bernard H. eine Einladung ihn zu Weihnachten 1947 in Paris in seiner Wohnung, bei seinen Eltern, zu besuchen. Was ich auch tat, und dabei nicht nur zum ersten Mal in meinem Leben auch Paris kennenzulernen, sondern auch eine französische Rechtsanwaldsfamilie bürgerlicher Herkunft,  in der Bernard H. aufwuchs und seine Homosexualität entwickelte. Meine mich verhörenden Untersuchungsbeamte wollten genau wissen, wie dieser Kontakt zustande kam. Ich traute mich nicht zuzugestehen, dass Bernard H. mich sehr oft in sein Bett nahm, um sich sexuell zu befriedigen. Mir kam vorher schon zur Kenntnis, dass Homosexualität in Deutschland, lt. Paragraf 175,  streng verboten war. Ich erfand irgend eine Geschichte, die unser kennenlernen begründete. Nach sechs Wochen Verhör wurde ich wieder entlassen. Viele Bekannte fragten mich nach meinem Wiederauftauchen, warum ich nach solcher Behandlung nicht sofort die DDR verlassen und in den Westen gehen würde. Ich versicherte ihnen, dass ich meine “Unschuld” beweisen werden, um dann als ein “guter” Kommunist angenommen zu werden. Mitglied der SED wurde ich aber erst, nach mehrmaliger Ablehnung meines Beitrittsantrages,

Das zweite Mal in einer Zelle zu sitzen fand 1956 in Westberlin statt. Ich wurde nach 9 Monaten Untersuchungshaft im Untersuchungsgefängnis Moabit, Westberlin, zu einem Jahr Gefängnis wegen Verstoß gegen das Westberliner Freiheitsschutzgesetz verurteilt. Die restlichen 3 Monate verbrachte ich in der JVA Tegel. Ebenfalls in einer Einmannzelle, wie schon zuvor die 9 Monate in der Untersuchungshaft in Moabit. Der Grund dieser Verhaftung ergab sich aus einem Einsatz im November 1954, an dem ich mit anderen Mitgliedern einer FDJ-Gruppe auf dem zu Ostberlin gehörenden Bahnsteigen des S-Bahnhofs Potsdamer Platz beteiligt war. Wir sollten die Aufhängung von Plakaten aus dem Westen gegen die bevorstehende Volkskammer-Wahl in der DDR verhindern. Ich hatte auf dem Bahnsteig einen Jungen der SPD-Jugend Die Falken entdeckt, der gerade dabei war, ein Plakat der Nationalen Front der DDR abzureißen und dafür ein westliches Plakat anzubringen. Ich wollte ihn daran hindern, was schließlich zu einer Schlägerei ausartete. Die alarmierte Volkspolizei nahm uns beide fest. Wir wurden in die nächste Polizeistation gefahren und verhört. Ich wurde nach Befragung wieder entlassen, während der Westberliner nach einiger zeit zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde. Als er danach wieder nach Westberlin zurückkehrte, erreichte er, dass der westberliner Staatsanwalt mich in die Fahndungsliste der Polizei eintrug. Die Festnahme geschah dann auch, als ich 1956 nach Reutlingen fuhr, wo ich einen zweiten Schulfreund aus meinem Volkschulbesuch in Hohen Neuendorf  aufsuchen wollte. Die Kripo holte mich am ersten Morgen meines Aufenthalts in einem  Reutlinger Hotel um 5 Uhr aus dem Bett.

“Lernen, lernen – immer lernen” – Aufruf an die Bevölkerung der DDR

Nach meiner Rückkehr aus Frankreich 1953 habe ich meine während des Krieges erworbene handwerkliche Ausbildung als Schriftsetzer in der Ost-Berliner Zeitungsdruckerei  vieler Tageszeitungen (Tägliche Rundschau, Berliner Zeitung,  Junge Welt) im täglichen Umbruch der Seiten der „Jungen Welt“ praktizieren können. Bei dieser Arbeit, in der ich, wie alle anderen Schriftsetzer auch, immer nur den Hinweisen und Vorgaben der Umbruchredakteure der Zeitung folgen müsste, entstand nach einem guten halben Jahr der handwerklichen Arbeit in der Schaffung des Weges der Informationsübermittlung,  in mir das Bedürfnis, die Informationen über bestimmte Tagesfragen, über die politische oder auch sportlichen Aktivitäten  selber schreiben, fotografieren und ermitteln zu können.  Nach einer kurzen Anfrage beim Umbruchredakteur der „Jungen Welt“ wurde ich nach wenigen Tagen eingeladen, am nächsten Tag zu einem Gespräch in der Redaktion zu erscheinen. Nach dem ich mich und meinen bisherigen Lebenslauf dargelegt hatte, schlug mir der Stellvertretende Chefredakteur der Zeitung vor, für ein halbes Jahr als Redaktionsassistent meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, bevor ich dann endgültig eingestellt würde. Mein erster Arbeitsbereich fand auf der Sportseite der heute noch existierenden „Jungen Welt“  statt. Hier sollte ich über das sportliche Leben junger Menschen in den Schulen und auf ihren Arbeitsplätzen berichten. Nach den ersten sechs Monaten empfahl mir die Redaktionsleitung, mein fachliches und auch politisch-ideologisches Wissen zu verbessern. Zugleich teilte mir der Personalleiter der Redaktion mit, dass ich mit meiner Vergangenheit – ich kam aus einem kapitalistischen Land des Westens in die Deutsche Demokratische Republik mit einer sehr jungen sozialistischen Gesellschaftsordnung – vorerst in der Redaktion der Tageszeitung der Freien Deutschen Jugend nicht angestellt sein kann, wie es „von oben“ vorgegeben wurde.

Nachdem ich einige Arbeitsplätze gewechselt hatte, arbeitete ich dann in der parteilosen Tageszeitung „Sport-Echo“. Zweimal  berichtete ich als teilnehmender Reporter über die jährlich stattfindende „Friedensfahrt“,  wobei ich auf Grund meiner französischen Sprachkenntnisse als Dolmetscher der jeweiligen französischen Mannschaft  half, auf der drei Länder (DDR – CSSR – Volksrepublik Polen) durchquerenden Fahrt Informationen zu vermitteln.  Die Redaktionsleitung vermittelte mir die parallel zur Redaktionsarbeit  stattfindende Teilnahme an  einem  vom Verband Deutscher Journalisten der DDR organisierten Ausbildungslehrgang für Journalisten teilzunehmen. Durch die spätere staatliche Zuweisung der Qualität dieser Lehrgänge als Tätigkeit einer Journalisten-Fachschule,  erwies sich mein mit gutem Zertifikat beendeter Studienabschluss nach 3 Jahren, als Berechtigung zum Universitätsstudium.

In den 10 weiteren Dual-Studien-Jahren erwarb ich weiteres Wissen über acht Fachbereiche (Philosophie, Dialektischen und historischen Materialismus, Marxismus, Psychologie, Informationswissenschaft, Ökonomie, Politik, Internationales Völkerrecht, Internationale Außenpolitik).

In den drei Studien-Einrichtungen – Sektion Journalistik der Karl-Marx-Universität Leipzig, Akademie für Staat und Recht Potsdam-Babelsberg und      Humboldt-Universität Berlin –  lernte ich dann auch  Professoren und Wissenschafts-Assistenten kennen, die nicht nur formal lehrten, sondern auch auf vielen Gebieten zu neuen Erkenntnissen verhalfen. Das ging so bis zum „cum laude“- Abschluss meiner Promotion 1988 in Leipzig.  In der gesamten Zeit meiner verschiedenen Studien liefen meine Arbeitsverträge mit den jeweiligen Redaktionen und Verlagen und letztlich auch mit dem VDJ weiter. Ich erhielt auch meine Monatsgehälter uneingeschränkt weiter.

Das ging so bis zum  4. November 1989. Für diesen Tag hatten die Vorstände der Künstlerverbände  und des Journalistenverbandes für den 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz von Berlin zu einer Demonstration für mehr Demokratie und Freiheit im Sozialismus, für Offenheit und Pressefreiheit  aufgerufen.  Als Mitglied des VDJ-Vorstandes rief ich Tage vorher durch einen Aushang im Verlag, in dem ich arbeitete, die Kollegen und Kolleginnen Redakteure und Journalisten zur Teilnahme auf dem Alexanderplatz auf. Nach einem friedlichen Demonstrationsmarsch versammelten sich schließlich gut eine Million Menschen jeglichen Alters. Rund 10 Vertreter der verschiedenen Organisationen und auch des DDR-Staates, wandten sich offen an die Öffentlichkeit mit der Forderung, die Ein-Parteien-Herrschaft zu beenden und auf friedliche Weise mit  der Bundesrepublik und dem Westen zusammenzuleben. Die Reisefreiheit für alle DDR-Bürger wurde ebenfalls gefordert.  Am Montag nach dem 4. November wurde ich wegen meines Engagements aus der Partei und aus dem Verlag entlassen.

Kurz nach der Wende und Beendigung von 45 Arbeitsjahren wurde ich Rentner mit einer mein Leben garantierenden monatlichen Rentenauszahlung. Seitdem  nutzte ich viele Gelegenheiten, mein bisher erworbenes Wissen durch die Lektüre und persönlicher Verarbeitung der von Forschern anderer Wissenschaftsgebiete veröffentlichten Erkenntnisse zu ergänzen und zu vergrößern. Diese für mich neu erschlossenen Wissensbereiche betreffen zum überwiegenden Teil die Entwicklung der Natur auf unserem Planeten Erde  in all ihren verschiedenen biologischen Formen und Gattungen, darunter die Gattung Mensch, von derer momentanen Verhaltensweise die weitere Existenz der Natur abhängt.

Diese erst in meiner jetzigen späteren Lebensphase eingetretene Ergänzung und Vervollkommnung meines Wissens auf vielen anderen Gebieten des Lebens verhalfen mir zu neuen Denk- und Lebensweisen  auch im  ehelichen Zusammenlebens mit Roswitha – wir werden  im November 2021  den 40. Hochzeitstag feiern – eine Ehe leider ohne eigene Kinder. Ich konnte Roswitha bei der Bekämpfung ihrer Diabetes-Krankheit durch den täglichen Einkauf und Herstellung einer gesundheitsgerechte Ernährung behilflich sein.

Mit dem neu hinzu gewonnenen Wissen und mit den noch vorhandenen geistigen Fähigkeiten,  dieses Wissen richtig anzuwenden, um  den Weg in  eine demokratische, rechtstaatliche und friedliche Zukunft der Menschheit insgesamt und damit auch des deutschen Volkes und seiner Bürger inhaltlich und formgerecht richtig beschreiben zu können, habe ich mir ein Aphorismus zunutze gemacht, das sich aus einem Zitat von Aristoteles ergab,  der von 384 bis 322 v. Chr. lebte und mit seiner philosophischen Erkenntnissen wesentliche Merkmale der Entwicklung der von ihm gegründeten oder maßgeblich beeinflussten Wissenschaftsbereiche, wie Wissenschaftstheorie, Naturphilosophie, Logik, Biologie, Physik, Ethik, Staatstheorie und Poetik begründete oder auch maßgeblich beeinflusste.

 „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten!“

Diesen Aphorismus nutzten auch Wilhelm von Humboldt, August Bebel und selbst auch noch Helmut Kohl für ihr wissenschaftliches oder politisches Wirken.

Ich habe lange darüber nachgedacht und persönlich in verschiedenen biologischen Lebensbereichen theoretisch versucht, diese Denk- und Handlungsmethode auf die Beschreibung der Zukunft der biologischen Gattungen Mensch, Tier und Pflanzen in der Naturwelt unseres Planeten anzuwenden. Ich erhielt dabei persönlich neue, andere Eindrücke und Erkenntnisse, die von mir sehr positiv bewertet wurden und auch durch die Aussagen vieler anderer biologischer Wissenschaftler Bestätigung fanden. Ich will für diesen wissenschaftlichen Bereich, das biologische Leben, nur Richard Dawkins nennen, dessen Bücher ich vollständig gelesen habe und dadurch mein Wissen über das biologische Leben zu vergrößern. Noch mehr Wissen über die Entwicklung einer neuen, anderen Gesellschaft von Menschen, die in unterschiedlich großen Gemeinschaften zusammenleben, fand wider privaten, persönlichen Erwarten in meinem Gehirn Platz, auch wenn ich bereits 90 Jahren gelebt habe. Einer der mir bekannt gewordene Autoren für die neuesten neuro-biologischen Erkenntnisse war und ist immer noch Prof. Dr. Gerald Hüther, der bekannteste Hirnforscher Deutschlands, Vorstand der Akademie für Potentialentfaltung, der verschiedene Initiativen und Projekte  für die Schaffung günstigerer Voraussetzungen für die Entfaltung der von der Natur in uns Menschen angelegten Möglichkeiten. Das erste in Sommer 2019 von mir gelesene Buch von Gerald Hüther „Raus aus der Demenz-Falle! Wie es gelingen kann, die Selbstheilungskäfte des Gehirns rechtzeitig zu aktivieren“ gibt mir bereits jetzt die nötige Hoffnung und  Kraft, dieses Buch weiter zu schreiben, und auch die realistischere Sicht in die andere, bessere und realisierbare Zukunft der Menschheit auf diesem Planeten zu beschreiben.

In einem anderen Buch von Gerald Hüther wird auch hervorgehoben, dass der Mensch sich nie alleine selbstverwirklichen kann. Und auch die Ordnung einer Gemeinschaft nicht allein formulieren und weitergeben kann.  Dieses gemeinschaftliche Zusammenwirken  gilt nicht nur für das theoretische Festschreiben der zukünftigen gesellschaftlichen Regeln des gemeinschaftlichen Zusammenlebens, sondern auch für deren Ingangsetzung und Durchsetzung.

Die Erweiterung meiner in der ersten Hälfte meines Lebens erworbenen Erkenntnisse durch die Ergänzungen meines Wissens über andere, uns ebenfalls von der Natur gegebenen Realitäten in den letzten Jahren  hat mich veranlasst, das bereits vor 4 Jahren begonnene, aber nicht zu Ende geschriebene Buch nun weiter zu schreiben und es dann in geeigneter Weise zu veröffentlichen.

Submit a Comment