Autoren

Breitenfeld, Gerhard / Mügeln – Sachsen, Deutschland

Breitenfeld, Gerhard / Mügeln – Sachsen, Deutschland

 

 

Gerhard Breitenfeld
geb. 1925 in Ratibor (Niederschlesien

 

  • – ging mit dem ‘Reifevermerk’ als Offiziersanwärter zur Marine.
  • 1944- kam er auf der Krim in sowjetische Kriegsgefangenschaft.
  • 1949 – holte er in Leipzig das Abitur nach und studierte Erwachsenenbildung, Politische Ökonomie und Rechtswissenschaft.
  • 1966 – Nach langjähriger Tätigkeit als Justitiar promovierte er zum Dr. jur.
  • 1970 – Berufung als Dozent an die Karl-Marx-Universität in Leipzig.

Neben zahlreichen juristischen Publikationen veröffentlichte er auch immer wieder kleinere literarische Arbeiten.

Veröffentlichung:

Rousseau, Jean-Jacques / Schweiz

Rousseau, Jean-Jacques / Schweiz

 

 

 

Jean-Jacques Rousseau [ʒɑ̃’ʒak ʁu’so]

* 28. Juni 1712 in Genf; † 2. Juli 1778 in Ermenonville bei Paris

 

  • war ein Genfer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist der Aufklärung.
  • Rousseau hatte großen Einfluss auf die Pädagogik und die politische Theorie des späten 18. sowie des 19. und 20. Jahrhunderts in ganz Europa.
  • Er war ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. Sein Werk ist unlösbarer Bestandteil der französischen und europäischen Literatur- und Geistesgeschichte.
  • Der ihm häufig – aber fälschlich – zugeschriebene Aufruf „Zurück zur Natur!“ hat viele Wissenschaftler geprägt und spätere Gegenbewegungen zur Industrialisierung ausgelöst.

Sein Werk:

Rousseaus Werk geht von drei Grundannahmen aus:

  1. Voraussetzung der menschlichen Gemeinschaft (frz. l’état civil) ist – im Gegensatz zum Menschen im Naturzustand (frz. l’état de nature) – ein Vertrag (frz. pacte social).
  2. Grundlage dieses Vertrages ist der ‘Gemeinwille’ (frz. volonté générale), der nicht der Summe der Einzelinteressen entspricht, sondern absolut ist. Er geht von allen aus und zielt auf das Wohl aller. Gemeinwille und Gerechtigkeit fallen bei Rousseau zusammen. Sie haben ihren gemeinsamen Ursprung in der Vernunft und beruhen auf Gegenseitigkeit.
  3. Alle ordnen sich diesem Vertrag freiwillig unter. Da der Gemeinwille unfehlbar ist, ist die freiwillige Zustimmung aller selbstverständlich.

Der Aufklärer Rousseau schreibt vor allem mit seinem Begriff der volonté générale die transzendentale Staatsphilosophie Platons fort (siehe Ideenlehre). Sein Entwurf eines Idealstaates unterscheidet sich so radikal von der politischen Wirklichkeit des Ancien Régime, dass das sofortige Verbot seiner Schrift keineswegs verwundert. Die Sprengkraft liegt vor allem darin, dass er keine Rechtfertigung der konstitutionellen Monarchie unternimmt, wie Locke und Montesquieu es noch versuchten. Rousseau baute sein utopisches Gemeinwesen auf das Prinzip der universellen Richtigkeit, die da heißt volonté générale. Sie besitzt ihre Gültigkeit jenseits von Rechten und Privilegien des Adels und Königshauses. Rousseaus Ansatz identitärer Demokratie ist dem Repräsentationsprinzip angelsächsischer Demokratietheorien diametral entgegengesetzt. Geht es bei Rousseau um den allgemeinen Willen, hinter dem sich die Vorstellung verbirgt, dass es ein Gemeinwohl gäbe, was allen Mitgliedern der Gesellschaft gleichermaßen dienlich sei, so ist die moderne Auffassung von Demokratie diesem Gedanken insofern entgegengesetzt, als es hier um ein Verständnis von Demokratie im Sinne konkurrierender Auffassungen und Interessen geht (siehe auch Konkurrenztheorie: James Madison, Joseph Schumpeter).

Bahro, Rudolf / Berlin, Deutschland

Bahro, Rudolf / Berlin, Deutschland

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e9/Bundesarchiv_Bild_183-1989-1216-014%2C_Berlin%2C_SED-Sonderparteitag%2C_Bahro.jpg/330px-Bundesarchiv_Bild_183-1989-1216-014%2C_Berlin%2C_SED-Sonderparteitag%2C_Bahro.jpg

Rudolf Bahro

* 18. November 1935 in Bad Flinsberg, Landkreis Löwenberg in Schlesien; † 5. Dezember 1997 in Berlin)

Bahro am 16. Dezember 1989 auf dem Sonderparteitag der SED [Wikipedia]

  • war ein deutscher Philosoph, Politiker und Sozialökologe. Er gehörte zu den profiliertesten Dissidenten der DDR und wurde durch sein sozialismuskritisches Buch Die Alternative (1977) bekannt.
  • In Berlin nach der Wende:Angesichts des rapiden Zerfalls der DDR zog Bahro Ende 1989 nach Ostberlin, um dem befürchteten „Ausverkauf der DDR“, ihrem „Aufgesogen“-Werden durch die BRD, entgegenzutreten. Er wollte sich dafür einsetzen, dass die DDR ihre Autonomie behalten und die seiner Meinung nach wichtigste politische Errungenschaft, den Primat der Politik über die Wirtschaft, bewahren könne.
  • Rudolf Bahro war das älteste von drei Kindern des Viehwirtschaftsberaters Max Bahro und seiner Frau Irmgard, geb. Conrad. Die Familie lebte bis 1945 in Niederschlesien, zunächst in Bad Flinsberg, dann im Nachbarort Gerlachsheim (Landkreis Lauban), wo Rudolf die Dorfschule besuchte. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Vater zum Wehrdienst einberufen und geriet in polnische Gefangenschaft. Als die Ostfront herannahte, wurde die Familie evakuiert. Auf der Flucht wurde Rudolf von der Mutter und den Geschwistern getrennt, und diese starben bald darauf an Typhus. Rudolf verbrachte mit einer Tante je einige Monate in Österreich und in Hessen und fand schließlich seinen Vater wieder, der in Rießen (Landkreis Guben) den Hof einer Witwe bewirtschaftete. 1951 heiratete Max Bahro die ebenfalls verwitwete Frieda Reiter in Fürstenberg (Oder), die ihren Sohn Gerhard mit in die Ehe brachte, welcher sieben Jahre älter war als Rudolf.Von 1950 bis 1954 besuchte Rudolf Bahro die Oberschule in Fürstenberg. Da für die Aufnahme in die Oberschule die Mitgliedschaft in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) vorausgesetzt wurde, trat er dort 1950 widerstrebend ein. Dies war, wie er später kommentierte, das einzige Mal, dass er unter Druck etwas gegen seinen Willen tat. Schon 1952 bewarb er sich dann aber für die Mitgliedschaft in der SED, in die er 1954 aufgenommen wurde. Bahro galt als außerordentlich intelligent und bestand das Abitur „mit Auszeichnung“. An der Humboldt-Universität zu Berlin studierte er von 1954 bis 1959 Philosophie. Zu seinen Lehrern gehörten Kurt Hager (der spätere Chefideologe der SED), Georg Klaus und Wolfgang Heise. Das Thema seiner Diplomarbeit lautete „Johannes R. Becher und das Verhältnis der deutschen Arbeiterklasse und ihrer Partei zur nationalen Frage unseres Volkes“.Bis 1956 war Bahro ein glühender Verehrer Lenins und Stalins. Die Enthüllungen Chruschtschows auf dem XX. Parteitag der KPdSU im Februar 1956, in denen erstmals einige Verbrechen des Stalinismus offen angesprochen wurden, erschütterten Bahros Weltbild zutiefst. Die bald darauf ausbrechenden Unruhen in Polen und Ungarn verfolgte er mit großem Interesse, und er erstellte eine Protesterklärung für eine Wandzeitung, in der er seine Solidarität mit den Aufständischen bekundete und die restriktive Informationspolitik der DDR-Staatsführung offen kritisierte. Das veranlasste die Staatssicherheit, ihn zwei Jahre lang zu beobachten und zu bespitzeln.Nach dem Staatsexamen ging Bahro im Auftrag der Partei nach Sachsendorf (Kreis Seelow) im Oderbruch, wo er die Dorfzeitung Die Linie herausgab und die Bauern dazu bewegen sollte, der Genossenschaft (LPG) beizutreten. 1959 heiratete er die Russischlehrerin Gundula Lembke, die eine Tochter mit in die Ehe brachte und in den folgenden Jahren zwei weitere Mädchen (von denen eines am Tag der Geburt starb) und einen Jungen gebar. 1960 wurde Bahro in die Universitätsparteileitung in Greifswald berufen und gründete dort die Zeitung Unsere Universität, deren verantwortlicher Redakteur er wurde. In diesem Jahr erschien auch sein erstes Buch, ein Band mit Gedichten: In dieser Richtung. Ab 1962 arbeitete er als Referent für den Zentralvorstand der Gewerkschaft Wissenschaft in Berlin, ab 1965 als stellvertretender Chefredakteur bei der von der FDJ herausgegebenen Jugend- und Studentenzeitschrift Forum. In dieser Position ergaben sich wiederholt Konflikte mit der zunehmend restriktiven Politik der SED, wodurch Bahro in die Kritik geriet. Wegen des nicht genehmigten Abdrucks von Volker Brauns Stück Kipper Paul Bauch wurde er schließlich 1967 dieses Postens enthoben.Der Weg zur „Alternative“
  • Von 1967 bis 1977 war Bahro in diversen Betrieben der Gummi- und Kunststoff-Industrie im Bereich Arbeitsorganisation tätig. Diese Konfrontation mit den tatsächlichen Verhältnissen in den Betrieben brachte ihn bald zu der Überzeugung, dass die DDR-Wirtschaft sich in einer ernsten Krise befinde und dass der Hauptgrund dafür darin liege, dass die Arbeiter in den Betrieben praktisch nichts zu sagen hätten. Diese Ansicht formulierte er im Dezember 1967 in einem Brief an den Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht, und er schlug vor, die Verantwortung in den Betrieben im Sinne einer Basisdemokratie den Arbeitern zu übertragen. Wenige Wochen danach kam es zu Veränderungen in der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, welche den Prager Frühling einleiteten. Bahro nahm daran lebhaften Anteil und befürwortete die dortige Entwicklung. Im Mai 1968 wurde er zu einem Gespräch mit einem Mitarbeiter des Zentralkomitees zitiert, der ihm klarmachte, dass seine Solidarität mit der „Konterrevolution“ in der ČSSR nicht mehr geduldet werde. Bahro zog daraus die Konsequenz, seine Gedanken systematisch auszubauen und zu publizieren. Dieser Entschluss wurde bestärkt und modifiziert, als am 21. August 1968 der Prager Frühling durch einmarschierende Truppen des Warschauer Paktes (v. a. der Sowjetunion) mit Waffengewalt beendet wurde. Das war, wie Bahro später einmal äußerte, „der schwärzeste Tag“ seines Lebens und der Anlass für den endgültigen Bruch mit der SED. Aus taktischen Gründen entschied er jedoch, diesen Bruch nicht öffentlich zu vollziehen, um sein Buchprojekt nicht zu gefährden.
  • Nach einem vorbereitenden Literaturstudium begann Bahro 1972 mit der nebenberuflichen Arbeit an seiner Dissertation Über die Entfaltungsbedingungen der Hoch- und Fachschulkader in volkseigenen Betrieben der DDR, die einen Teil seines Vorhabens in den akademischen Diskurs einbringen sollte. Parallel dazu schrieb er heimlich an einem thematisch breiter angelegten Manuskript, aus dem später das Buch Die Alternative hervorging. 1973 reichte Gundula Bahro die Scheidung ein. Dies war, wie beide Eheleute später äußerten, eine Vorsichtsmaßnahme, um insbesondere die Kinder vor zu erwartenden staatlichen Repressalien zu bewahren. Gundula Bahro ging jedoch noch weiter und nahm 1974 mit der Staatssicherheit Kontakt auf, um diese über das bis dahin geheimgehaltene Buchprojekt ihres Ex-Ehemannes zu informieren und schließlich auch eine Kopie des Manuskripts zu übergeben. Ab dieser Zeit wurde Rudolf Bahro ohne sein Wissen intensiv beobachtet und bespitzelt.1975 reichte er seine Dissertation an der TH Merseburg ein. Sie wurde zunächst von drei Gutachtern sehr positiv bewertet. Dann schritt jedoch die Stasi ein, organisierte zwei Gegengutachten und vereitelte damit die Promotion. Die Arbeit an dem Alternative-Manuskript wurde hingegen nur weiter beobachtet und nicht behindert. Bahro kam jedoch zu der Überzeugung, dass seine ursprüngliche Absicht, dieses eigentlich für DDR-Bürger geschriebene Buch in größerer Stückzahl in der DDR zu verbreiten, nicht zu verwirklichen sei. Im Dezember 1976 erfuhr er, dass eines der Exemplare, die er zur Begutachtung an Freunde und Bekannte verteilt hatte, auf Umwegen in die Hände der Stasi geraten war. Dies veranlasste ihn, die Arbeit kurzfristig zum Abschluss zu bringen. Über Mittelsmänner war inzwischen ein Vertrag mit der Europäischen Verlagsanstalt in Köln zustande gekommen. In dem Musikwissenschaftler Harry Goldschmidt fand Bahro einen unverdächtigen Helfer, der das fertige Manuskript nach West-Berlin schmuggelte. Außerdem gelang es, etliche Kopien des Manuskripts per Post an ausgewählte Personen in der DDR zu versenden.

Veröffentlichung:

„Die Alternative“ – Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt/M, 1977

Das Buch ist in drei Teile gegliedert: Das Phänomen des nichtkapitalistischen Weges zur Industriegesellschaft – Die Anatomie des real existierenden Sozialismus – Zur Strategie einer kommunistischen Alternative. Die vorangestellte Einleitung beginnt mit dem Postulat, dass die kommunistische Bewegung nicht zu den theoretisch erwarteten Verhältnissen geführt habe, sondern im Grunde den kapitalistischen Weg mit lediglich oberflächlichen Veränderungen fortführe. „Die Entfremdung, die Subalternität der arbeitenden Massen dauert auf neuer Stufe an.“ Das Buch wolle die Gründe für diese Entwicklung analysieren und Lösungen anbieten.

Der erste Hauptteil ist eine historische Analyse der Entwicklung des Sozialismus in der Sowjetunion. Bahro kommt zu dem Befund, dass dort und in der Folge auch in Ländern wie der DDR nicht der theoretisch erwartete Sozialismus entstanden sei, sondern eine Art Proto-Sozialismus. Den wesentlichen Grund dafür sieht er darin, dass die Sowjetunion zum Zeitpunkt der Oktoberrevolution noch weit von dem Entwicklungszustand entfernt war, den Marx in seiner Theorie vorausgesetzt hatte. Dennoch sei der von Lenin eingeschlagene Weg richtig gewesen. Die anschließend von Stalin betriebene massive Industrialisierung bezeichnet Bahro als eine notwendige Weiterentwicklung, wobei er, wie sein Biograph Guntolf Herzberg hervorhebt, den stalinistischen Terror nicht verurteilt, sondern als unvermeidbar rechtfertigt.

Im zweiten Teil analysiert Bahro die real existierende Gesellschaftsform, die seiner Meinung nach fälschlich als Sozialismus bezeichnet wird und in Wirklichkeit noch immer eine Klassengesellschaft sei. Wie diese Gesellschaft funktioniert, stellt er detailliert dar, und er argumentiert, dass darin die Ursachen für die zu beobachtende Stagnation der Wirtschaft lägen.

Im dritten Teil schließlich entwickelt er Lösungsvorschläge, welche die Forderung nach einer erneuten Revolution, die nicht nur die gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern auch die Menschen verändern müsse, beinhalten. Im Kern gehe es um die Überwindung der Subalternität, der „Daseinsform und Denkweise ‚kleiner Leute‘“. Die Aufteilung der Arbeit sei abzuschaffen, alle Menschen sollten an Wissenschaft und Kunst wie auch an “niederen” Arbeiten teilhaben.